Volltext: Zur Lehre vom Gemüt

Zur Lehre vom Gemüt. 
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indem wir es als „Wahrnehmung“ oder „Empfindung“ be¬ 
stimmen, in der Beziehung zu einem wahrnehmenden oder 
empfindenden Bewußtsein, dem es als seine Bestimmtheits¬ 
besonderheit zugehört, begreifen. 
Es ist von der größten Wichtigkeit, zu erkennen, daß 
die Worte „Empfindung“, „Wahrnehmung“, „Vorstellung“, 
„Gedanke“ ebenso, wie das Wort „Gefühl“, nicht etwa 
Gattungsbegriffe von Gegebenem, sondern Beziehungs¬ 
begriffe zum Ausdruck bringen. Unsere heutige Psychologie 
und die mit ihr verschwägerte Erkenntnistheorie zeigt sich in 
der Täuschung, „Empfindung“, „Vorstellung“ usf. bedeuten 
Gattungsbegriffe von Gegebenem, so heillos verstrickt, 
daß sich die fabelhafte Mär, Seelenleben baue sich aus 
Empfindungen und Gefühlen auf, und jenes den Tatsachen 
ins Gesicht lachende sinnlose Dogma, Empfindungen und 
Gefühle seien das elementare Seelische, in weiten Kreisen 
haben breit machen können. 
Fragen wir nun nach dem Gegebenen, das durch diese 
Begriffe in seiner Beziehung zu einem seelischen Einzelwesen, 
also zu einem Bewußtsein, als dessen Bestimmtheitsbesonder¬ 
heit bestimmt ist, so findet sich eine bemerkenswerte Ver¬ 
schiedenheit zwischen demjenigen, das wir in unserem Bei¬ 
spiel Wahrnehmung oder Empfindung und demjenigen, das 
wir Gefühl in seiner Beziehung zu einer Seele als die Be¬ 
sonderheit ihrer Bestimmtheit nannten. „Rund“ und „rot“ 
sind, als Gegebenes schlechtweg betrachtet, nicht dem see¬ 
lischen Einzelwesen, nicht einem Bewußtsein, sondern immer 
nur einem Dinge (Körper) Zugehöriges, und wenn sie auch, 
in Beziehung auf ein Bewußtsein, dessen „Wahrnehmung“ 
und „Empfindung“ sie gerade sind, betrachtet, als Bestimmt¬ 
heitsbesonderheit dieser „wahrnehmenden“ oder „empfinden¬ 
den“ Seele mit voller Berechtigung begriffen werden, so sind 
sie doch nicht auch Bestimmtheitsbesonderheit des 
Dinges, dem sie als Gegebenes schlechtweg zugehören, 
sondern vielmehr ist „rund“ eine besondere Bestimmtheit,1) 
und „rot“ eine besondere Eigenschaft1) dieses Dinges. 
b Siehe Rehmke, Philosophie als Grundwissenschaft, S. 648ff.
	        

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