Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar

Diakon Adalgisel Grimo (634) und die Saarbrücker 
Prekarienforschung (2002-2011) 
Brigitte Kasten 
Die Bedeutung des Diakons Adalgisel, der auch Grimo genannt wurde, für die Ge¬ 
schichte des heutigen Saarlandes ist mit dem Kloster Tholey verbunden, dessen 
Anfänge auf diesen geistlichen Grundherrn fränkischer Herkunft aus der Merowin¬ 
gerzeit zurückgehen. Adalgisel Grimo besaß Anfang des 7. Jahrhunderts in Tholey 
ein castrum, eine befestigte Niederlassung. Bei der Befestigung handelt es sich 
möglicherweise um eine noch während der späten Römerzeit erbaute Mauer, deren 
Reste bei archäologischen Grabungen unter dem heutigen Abtshaus entdeckt wur¬ 
den. Dazu gehörten weitere Liegenschaften wie Felder, Wiesen, Wälder, Weiler, 
erworbene Häuser und Einkünfte sowie der benachbarte Ort Doma/Domo, dessen 
Lage aufgrund der vermuteten Variante des keltischen Wortes dunum für „Sied¬ 
lung in Höhenlage“ in Schaumberg vermutet wird. Tholey lag im 7. Jahrhundert 
„in einer Insel relativer romanischer Kontinuität“ (Haubrichs, Abtslisten, 1986, S. 
85). 
Die Nähe zu den vorbeigehenden Römerstraßen und die vorgermanischen Orts¬ 
namen führten zu der Annahme, dass Tholey eine römische Ansiedlung war, die 
um die Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert in den Besitz von Franken kam und so¬ 
mit nahezu kontinuierlich bewohnt wurde. Ob der Besitzwechsel durch fränkische 
Eroberer gewaltsam erzwungen wurde oder legal aufgrund der spätrömischen Ein¬ 
quartierungsgesetze stattfand, die eine Aufteilung des Grundbesitzes und seiner 
Einnahmen zwischen Romanen und Germanen verordneten, ob die römischen Ei¬ 
gentümer die Ortschaft bereits kurz vor der Ankunft der Franken verlassen hatten 
oder ob diese zum Fiskus eingezogen und später durch einen Merowingerkönig an 
einen fränkischen Getreuen ausgegeben wurde, bleiben spekulative Alternativen, 
von denen wegen der fehlenden Zeugnisse keine zu verifizieren ist. Für die rund 
200 Jahre zwischen den beiden in Tholey gefundenen Münzen aus der Regierungs¬ 
zeit Kaiser Valentinians 111. (424-455) und der Erwähnung des Orts im Testament 
des Adalgisel Grimo von 634 gibt es keinen Beleg für Tholey. 
Ebenso wenig weiß man, wie Adalgisel Grimo in den Besitz Tholeys kam. Si¬ 
cher ist allerdings, dass er es war, der dort eine Kirche bauen ließ und eine geist¬ 
liche Gemeinschaft von Klerikern einrichtete, weil er dies in seinem Testament er¬ 
wähnte, das er am 30. Dezember 634 in Verdun aufrichtete. Er verfügte, dass nach 
seinem Tod Tholey mitsamt Kirche und Klerikergemeinschaft der Bischofskirche 
von Verdun übertragen werden sollte. Das Dokument, das der Diakon Erchenulf 
im Auftrag des Erblassers vielleicht ursprünglich auf Papyrus schrieb, ist wahr¬ 
scheinlich im 10. Jahrhundert in Trier auf einem rund 60 x 42 cm großen Perga¬ 
mentblatt abgeschrieben worden und liegt in dieser Form als einzige Überlieferung 
heute vor. Es ist mehrfach ediert worden, wobei Textlücken aufgrund wissen¬ 
schaftlicher Meinungsunterschiede unterschiedlich rekonstruiert wurden. Während 
man beispielsweise anfangs meinte, dass die von Grimo erbetenen Kleriker von Bi¬ 
schof Modoald von Trier entsandt worden sein könnten, da dieser als Ortsbischof 
die Kirche von Tholey einweihte, glaubt man heute eher, dass sie aus Verdun ka¬ 
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