Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar

so müssen jedoch unbedingt auch die grundsätzlichen Chancen einer solchen Platt¬ 
form gesehen werden. In kleinerem Umfang wurde ihr Nutzen in einer fachdidak¬ 
tischen Veranstaltung des Historischen Instituts der Universität des Saarlandes im 
Sommersemester 2009 erprobt. Die Studierenden erstellten gemeinsam auf Basis 
der Open Source Software MediaWiki~~ ein Wiki, das an den Inhalten der saarlän¬ 
dischen Geschichtslehrpläne für Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien orien¬ 
tiert war. Man könnte es als eine neue Form eines „interaktiven Geschichtsbuchs“22 23 
bezeichnen, in das - nach den Vorgaben der Lehrpläne - unter anderem saar¬ 
ländische Regionalgeschichte integriert war. Bei diesem Projekt haben sich schnell 
einige Schwierigkeiten gezeigt, die mit dieser Form von Veröffentlichung ver¬ 
bunden sind. So zeigte sich, dass kollaboratives Schreiben einen sehr viel inten¬ 
siveren Informationsaustausch erfordert. Einzelne Texte oder Textbausteine kön¬ 
nen nicht einfach zu einem Gesamttext kumuliert werden, sie müssen verzahnt und 
verlinkt werden, um Zusammenhänge deutlicher zu machen. Auch wenn einzelne 
Teilnehmer nur für Teilaspekte zuständig waren, musste sich die gesamte Gruppe 
über Epochengrenzen hinweg auf gemeinsame große thematische Blöcke einigen, 
auf die dann ein textinterner Hyperlink gesetzt wurde. Alle mussten den gesamten 
Textbestand, der natürlich nur auf ausgewählte Themenblöcke der Lehrpläne Be¬ 
zug nehmen konnte, ständig im Auge behalten. Als nicht ganz einfach erwies sich 
daneben die technische Seite des Wikis, das auf einem Server des Rechenzentrums 
der Universität des Saarlandes angesiedelt war, dessen Mitarbeiter aus Sicherheits¬ 
gründen Upload-Möglichkeiten sehr restriktiv handhabten und nur bestimmte Da¬ 
teiformate zuließen. Zudem musste ein Großteil der Studierenden zunächst einmal 
lernen, Hypertext zu schreiben und darin beispielsweise kleine, selbst erstellte Au- 
diodateien, Videos oder Animationen einzubinden. Das Einstellen von originalem 
Quellenmaterial erforderte eine Auseinandersetzung mit den Bestimmungen des 
Urheberrechts, Quellen und Text waren deutlich erkennbar voneinander abzugren¬ 
zen und didaktische Kriterien wie beispielsweise Multiperspektivität zu berück¬ 
sichtigen. Fragen zur Quelleninterpretation und Quizzes zur Überprüfung der Lern¬ 
inhalte kamen dazu. Die Vorteile der Neuen Medien liegen bei einem solchen 
„Buch“ auf der Hand: Audio- und Videodateien können als Quellen implementiert 
werden, interaktive Elemente motivieren zum eigenständigen Weiterarbeiten, unter 
Anleitung eines Lehrers können neue Unterseiten erstellt werden, Texte können je¬ 
derzeit unproblematisch einem neueren Forschungsstand entsprechend korrigiert 
werden, Geschichte kann dadurch viel stärker unter den Aspekten von Dekonstruk- 
tion und Rekonstruktion erfahrbar gemacht werden. 
Beabsichtigt war, das Wiki nach dem Ende der universitären Veranstaltung zur 
Weiterbearbeitung öffentlich zu machen, es einzelnen Schulen zur Weiterentwick¬ 
lung zu übergeben oder Betreuer aus dem schulischen Bereich fiir den Dauerbe¬ 
trieb zu finden. Das ist gescheitert. Das Wiki blieb leider in seinen Kinderschuhen 
stecken, weil keine Administratoren außerhalb der Universität gefunden wurden 
und die Studierenden sich nicht imstande sahen, diese Arbeit auf Dauer zu leisten. 
Trotzdem könnte sich grundsätzlich ein Wiki für die saarländische Regional¬ 
geschichte als nützlich erweisen, wenn Forschungsergebnisse einer breiten Öffent¬ 
lichkeit vorgestellt werden. Als Szenario denkbar wäre ein geschlossener Kreis von 
22 http://www.mediawiki.org/wiki/MediaWiki/de (3.1.2012). 
23 http://wikiag.uni-saarland.de/index.php/Hauptseite (3.1.2012). 
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