Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar

lässt sich schließen, dass das Bliesufer im Bereich der Villa von Reinheim weiter 
östlich lag als heute. Statt des kaltzeitlichen, verwilderten Flussbettes mit mehreren 
Flussarmen bildet die Blies nur noch einen Hauptarm im Westen der Talweitung 
aus. Im Bereich des Reinheimer Allmends reicht die Tiefenerosion bis auf die soli¬ 
den Muschelsandsteine des Unteren Muschelkalk. Hier fehlen im Westen der un¬ 
tersuchten Profile die Terrassenschotter, und es sind alte Uferzonen nachweisbar. 
Während des Atlantikums war das Klima wärmer als heute (die Jahresdurch¬ 
schnittstemperaturen lagen im Vergleich zu heute ca. 2°C über den heutigen Mit¬ 
telwerten) und bot damit ideale Bedingungen für einen dichten Eichen-Mischwald 
mit zahlreichen Wärme liebenden Baumarten an den Talhängen und auf der Hoch¬ 
fläche. Die Erosion geht durch die stabilisierende Vegetation stark zurück und es 
kommt außer im ufernahen Bereich zu einer weitgehenden Formungsruhe mit nur 
geringer Sedimentation. Dies wird auch durch Untersuchungen von WEISROCK et 
alii (1993) bestätigt. In den untersuchten Aufschlüssen äußert sich dies durch eine 
Vergesellschaftung mesolithischer und römerzeitlicher Befunde und Funde. Die 
anthropogene Überformung bleibt auf kleine Areale begrenzt. In diese Zeitphase 
der relativen Formungsruhe fällt auch die erste nachgewiesene Siedlungstätigkeit 
des Menschen im Untersuchungsgebiet. Auf einer ufernahen Schotterbank mit 
Sandakkumulation im Flurbereich Reinheimer Allmend sind erste Siedlungsspuren 
nachweisbar. Neben Mikrolithen deuten Brandflächen und Gruben auf zumindest 
saisonale mesolithische Siedlungen hin (Donie, Erbelding, Rick 2001). Holz- 
kohiebänder innerhalb der Sandschichten werden aufgrund der räumlich scharfen 
Abgrenzung als anthropogene Feuerstellen gedeutet. Damit vergesellschaftet treten 
mesolithische Fundstücke auf. Aus der Lage der Siedlungsplätze kann man folgern, 
dass diese Zone der Aue stabil und nicht überflutungsgefahrdet war. In den Sedi¬ 
menten der jüngsten Terrasse findet nach der Kaltzeit eine Bodenbildung statt. In 
dieser Schicht, die dem ehemaligen Oberboden in mesolithischer Zeit entspricht, 
findet sich Keramik weiterer Siedlungsphasen. 
Über den als mesolithische Landoberfläche gedeuteten Schichten folgen im 
Westen, also im ufemahen Bereich, im Hangenden 2-5 Zentimeter mächtige Schot¬ 
terbänder mit gerundeten bis kantengerundeten Schottern bis 5 Millimeter Durch¬ 
messer. Der Wechsel aus Sand und Schotterbändern erklärt sich durch die phasen- 
haft wechselnde Transportkraft der Blies in Folge jahreszeitlich bedingter unter¬ 
schiedlicher Abflussvolumina. Nach Osten hin dünnen die Schotterbänder aus und 
markieren den Uferbereich. Das Ausstreichen der Schotterbänder im flussfernen 
Bereich erklärt sich durch die höhere Lage der Terrasse und einer daraus re¬ 
sultierenden geringeren Überflutungshäufigkeit und -intensität. Dies erklärt die 
Siedlungsgunst dieses Standortes in Flussnähe (Abb. 6, S. 292). 
Als weiterer wichtiger landschaftsprägender Befund im Norden des Vicus Blies- 
bruck ist eine spät- oder nacheiszeitliche Massenbewegung mit einem bis in die 
Neuzeit aktiven Schwemmfächer nachgewiesen worden. Anthropogene Strukturen 
und datierbare Keramik erlauben eine zeitliche Einordnung der Sedimente im Be¬ 
reich des Schwemmfächers. Sie belegen den Beginn des Prozesses mit einer ver¬ 
mutlich murenartigen Massenbewegung (im Gegensatz zu den solifluktionsartigen 
Verlagerungen reichen diese Sedimente weit in die Aue hinein und und sind räum¬ 
lich deutlich abgegrenzt) am Ende der letzten Kaltzeit. Die nacheiszeitliche zu¬ 
nehmende Vegetationsbedeckung der Hänge bewirkte eine Stabilisierung, die zur 
Folge hatte, dass die Materialverlagerungen endeten und in ein Fließgewässer mit 
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