Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar (45)

Laurentius Stephani besuchte zuerst die Lateinschule in Usingen's und dann das 
Pädagogium in Halle. Von seinem sich anschließenden Theologiestudium in Jena 
ist bekannt, dass er Vorlesungen bei dem württembergischen Reformator Erhard 
Schnepf (1495-1558), dem gemäßigten Lutheraner Viktor Striegel (1524-1569) be¬ 
suchte, aber auch bei dem Lutherschüler und Führer der Gnesiolutheraner Matthias 
Flacius Illyrius (1520-1575). Am 13. August 1556 schrieb sich Stephani in die 
Matrikel der Universität Wittenberg ein* 9. Nun hörte er Philipp Melanchthon (1497- 
1560) selbst, aber auch Paul Eber (1511-1569), Georg Major (1502-1574) und 
Kaspar Peucer (1525-1602), der Melanchthons Schwiegersohn war, ein Mathema¬ 
tiker und Mediziner. Nachdem den jungen Stephani der Ruf seines Vaters erreicht 
hatte, legte er am 14. September 1559 das Examen ab und wurde am 1. Januar 
1560 in Wittenberg ordiniert10. Die Urkunde trägt die Unterschriften Melanch¬ 
thons, Ebers und Majors sowie der drei Stadtpfarrer Sebastian Freschel (1497- 
1570), Johannes Stöhr (1525-1562) und Peter Etzelius (1488-1570). 
Nach Reichelsheim zurückgekehrt, wollte Stephani seinem Vater behilflich sein, 
wurde aber auf Veranlassung des Grafen Albrecht von Nassau-Weilburg zum Pfar¬ 
rer von Rod am Berg und Hausen berufen. Am 10. Juni 1560 der Gemeinde vorge¬ 
stellt, wurde der 25-jährige bereits am 5. Oktober des gleichen Jahres nach 
Krofdorf-Gleiberg geschickt. Es entspann sich ein zermürbender Streit um die 
Rechtmäßigkeit dieser Berufung11. Stephani kapitulierte und bat um Versetzung; 
ihm wurde am 18. März 1566 die Pfarrei seines Vaters übertragen, allerdings erst 
nach dessen Tod12. 
1568 bestimmte Graf Albrecht Laurentius Stephani zum Feldprediger seines 
Heeres, das in den Freiheitskrieg der Niederlande eingreifen sollte. Graf Albrecht, 
durch die Ehe mit Anna von Nassau-Dillenburg mit Wilhelm von Oranien ver¬ 
schwägert, rüstete sich angesichts des heranziehenden spanischen Heeres unter 
Herzog Alba. Als Ludwig von Nassau, der Bruder des Oraniers, eine empfindliche 
Niederlage hatte einstecken müssen, wurden die protestantischen Heeresverbände 
durch die Champagne und Lothringen nach dem elsässischen Zabern geführt und 
aufgelöst. Für die Kosten haftete unter anderem Albrecht von Nassau-Weilburg. Mit 
ihm kehrte Stephani 1570 zurück; der Graf übertrug Stephani noch im selben Jahr die 
Aufsicht über die Ämter Hüttenberg, Roßbach und Reichelsheim - eine schwierige 
Aufgabe angesichts der zwischen Hessen und Nassau geteilten Herrschaft13. 
Am 8. Juni 1573 wurde Stephani vom Weilburger Konvent formal in das Super¬ 
intendentenamt gewählt und eingeführt14. Als dann am 23. November 1574 Graf 
Johann IV. von Nassau-Saarbrücken starb, erbten die Grafen Philipp III. und Al¬ 
brecht von Nassau-Weilburg auf der Grundlage der Erbeinigung von 1491 und Jo¬ 
Nikolaus Ludwig Eichhoff, Die Kirchenreformation in Weilburg im sechzehnten 
Jahrhundert, Bd. I, Weilburg 1832, S. 108. 
9 Vgl. Wilhelm Rotscheidt, Nachtrag, in: MRKG 25 (1931), S. 352. 
10 Vgl. Klein, Laurentius Stephani (wie Anm. 2), S. 98. 
Max Ziemer, Aus dem Leben des Laurentius Stephani bis zum Antritt der Weilburger 
Superintendentur, in: MRKG 27 ( 1933), S. 339-348, hier S. 341. 
Zentralarchiv der Ev. Kirche in Hessen und Nassau Darmstadt, Reichelsheim Nr. 5. 
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Nr. 166/67, Nr. 1562,2. 
14 Karl Menzel, Geschichte von Nassau, Bd. 6, Wiesbaden 1884, S. 352. 
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