Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

leur fut proclamé Empereur de tout l’Orient 1:1 Gleichzeitig geht er aber auch auf ih¬ 
re negativen Seiten ein: „[...] elle éstoit fort vindicative [...] tnnquate, corrompue, plaine 
de dissimulation et grand’ hypocrite, qui, pour son ambition, se masquoit et se desguisoit 
en toutes sortes.“11’ 
1488 stirbt der Bruder ihres Mannes und sie wird Herzogin des Bourbonnais, des grö߬ 
ten Herzogtums Frankreichs. 1491 wird ihre Tochter Susanne, das einzige Kind des Paa¬ 
res, geboren. Im gleichen Jahr emanzipiert sich ihr Bruder von seiner dominanten Schwe¬ 
ster und beendet die Regentschaft. 
In den folgenden Jahren setzen Anne und Pierre de Beaujeu alles daran, ihr Herzogtum 
zu gestalten. Der Ausbau ihrer Residenz in Moulins und auch anderer Orte ist von einer 
wahren Prachtentfaltung bestimmt. Architekten, Bildhauer, Maler und Goldschmiede fin¬ 
den sich zahlreich in den Rechnungsbüchern.1 Verschiedene Dokumente lassen darauf 
schließen, dass besonders Anne als Aultraggeberin und Mäzenin auftrat.1 Das wohl 
schönste Werk, das in ihrem Auftrag entstand, ist der bemerkenswerte Altar des Maître de 
Moulins. Die Feste am Hof von Moulins waren legendär, ebenso der ,Hof der Damen1, 
den Anne anführte.1 " Ihr wurden mehrere Töchter des Hochadels zur Erziehung anver¬ 
traut und sie scharte zahlreiche weitere adlige Frauen um sich. Nach dem Tod ihres 
Mannes 1503 versucht Anne, durch die Verheiratung ihrer Tochter Susanne mit einem 
geeigneten Kandidaten die Position des Herzogtums zu halten. 
Ihr ganzes Leben, so scheint es, drehte sich um den Erhalt und die Demonstration von 
Macht und war von einem ausgeprägten Standesbewusstsein geprägt.-1 
15 Brantôme, Pierre de Bourdeillc: „Madame Anne de France“, in: Pierre de Bourdeille Brantôme: Recueil des 
Dames, poésies et tombeaux, hg. von Edenne Vaucheret (Bibliothèque de la Pléiade 380), Paris 1991, S. 167- 
171, hier S. 167. Brantôme beruft sich bei der Beschreibung Annes auf seine Großmutter, die mit Anne 
zusammen erzogen worden ist („comme ma grand’mere, nourrie aveq’elle, contoit“, S. 168). 
16 Ebd.,S. 169. 
17 Vgl. die Zusammenstellung der verschiedenen Werke und der Handwerker, die für Anne de France gear¬ 
beitet haben, bei Paul Dupieux: Des artistes à la cour ducale des Bourbons. 1 jes Maîtres de Moulins (Curiosités 
bourbonnaises, Sér. 2 39), Moulins 1946, S. 10-16. 
18 Dupieux zitiert einen Brief, in dem Jean de Chartres als „tailleur d’images de Madame de Bourbon“ be¬ 
zeichnet wird (Dupieux: Des artistes [wie Anm. 17], S. 19) und verweist unter anderem auf ein Rechnungs¬ 
buch Annes de France aus dem Jahr 1498, in dem die unterschiedlichsten Gewerke erwähnt werden 
(Ebd., S. 53, Nr. XII). 
19 Vgl. dazu unten S. 288 mit Zitat Anm. 26. 
20 Z.B. Margarethe von Österreich, die Verlobte ihres Bruders und Louise de Savoye, die Mutter von 
François I., vgl. Willard, Charity C,: „Anne de France, reader of Christine de Pizan“, in: Glenda K. 
McLeod (Hg.): The Réception of Christine de Pipan from the Difteenth through the Nineteentb Centuries (Médiéval 
and Renaissance sériés 9), Lewiston / Queenston / Lampeter, S. 59-70, hier S. 61 f. 
21 Brantôme betont: „[.. ,| elle tenoit terriblement à sa grandeur.“ (Recueil des Dames [wie Anm. 15], S. 169). 
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