Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

innen, denen die Forschung — im Grundsatz berechtigt — ähnlich inspirierte Rollen im li¬ 
teraturbetrieb bescheinigt hat, gehört im skandinavischen Raum fast zeitgleich Agnes von 
Dänemark (f 1304), Gattin des durch Rumslant von Sachsen beklagten Königs Erik Glip- 
ping und wohl auch Rumslants Gönnerin,{’ im deutschen Guta von Habsburg-Böhmen 
(f 1297), Auftraggeberin des Wilhelm von Wenden des Prager Hofdichters Ulrich von Et¬ 
zenbach, der die Bedingungen weiblicher Herrschaft in mehreren Krisen- und Bewäh¬ 
rungsszenarien geradezu experimentell ausspekuliert. Die Protagonistin heißt hier erwähn¬ 
termaßen ,Bene£, verdeutscht ,Guta‘ (ein panegyrischer Exkurs des Dichters macht diese 
Projektion auch explizit). Später treten Elisabeth von Nassau-Saarbrücken und Eleonore 
von Schottland-Tirol — auch sie bereits weiter oben genannt — in Eufemias Nachfolge. 
Gerade der Blick auf Elisabeth drängt sich vom Schluss her noch einmal auf: Beide Für¬ 
stinnen, Eufemia wie Elisabeth, waren Fremde in jener Sprache, in der sie, die eine per 
Auftrag, die andere direkt, ihr Anliegen realisierten. Und beide eröffneten mit dieser Lei¬ 
stung fortwirkende literarische Gattungs- und Formtraditionen. Beider ständisch¬ 
dynastische Einflusschancen waren durch Rolle und Geschlecht beschränkt (die Elisabe¬ 
ths zumindest in ihrer Witwenschaft weniger als die Eufemias), und beide verstanden und 
nutzten das literarische Surrogat eher exemplarisch-didaktisch als forciert politisch. 
Man hat, gerade hinsichtlich Elisabeths, die legitime Frage nach literarischen Funk- 
tions- und Wirkungsintentionen nicht selten im Zeichen einer methodisch naiven Engfüh¬ 
rung literarischer, biographischer und historischer Befundbruchstücke ins Unverbindliche, 
ja Hypertrophe getriebenA Dieser durch die Parameter der in den 1970er Jahren domi¬ 
nanten sozialhistorischen Methode begünstigte Irrweg sollte und durfte hier nicht neube¬ 
schritten werden. Flistorische ,Schlüsselromane1/ bloße Erziehungsprogramme, gar unmit¬ 
telbar politische Akte sind die Eufemia-Texte sowenig wie jene der Elisabeth — dafür hät¬ 
ten im aristokratisch-höfischen Kommunikationsmilieu andere, geeignetere Gattungsmo¬ 
delle und Inszenierungstypen (wie zum Beispiel Chroniken, Lehrgedichte, Fürstenspiegel) 
zur Verfügung gestanden, und dafür hätte sich auch die Vermitteltheit des Appells, die 
Implizitheit der Lehre verboten. Den literarischen wie den historischen Wert der Eufemia- 
visor und den Rang ihrer Mäzenin macht vielmehr gerade die konstitutive Verbindung der 
in ihnen zusammenlaulenden multiplen Wirkungsbezüge aus: standesadäquat-gehobene, 
dabei bewusst lebensweltlich rückgebundene (statt evasiv-fiktionale) Unterhaltung, exem¬ 
plarische, doch als Reflexionsappell dargebotene politisch-fürstliche Verhaltenslehre, viel¬ 
leicht schon bei der Mäzenin auch Ambitionen auf eine eigenständige memoriale Exi¬ 
stenz,'* 69 schließlich der subtile Zeitkommentar über den Familienzwist im Hause Flakons 
V. 
Im Dienst dieser Wirkungsabsichten nicht allein kulturfördernd, sondern auch (im ein¬ 
6 Vgl. Layher\Queen Eufemias Legaty (wie Anm. 24), S. 25f. 
68 Vgl. oben, Anm. 18; zur Kritik namentlich an Burchert vgl. Haubrichs, Wolfgang: „Kurze Forschungsge¬ 
schichte zum literarischen Werk Elisabeths“, in: Haubrichs/Herrmann/Sauder (Hg.): Zwischen Deutschland 
und Frankreich (wie Anm. 7), S. 30f. 
69 Ob schon für Eufemia der Aspekt eigener Memoria eine Rolle spielte, muss offen bleiben, wenn man die 
Epiloge sämtlich erst postum entstanden sieht; erst hier nämlich tritt ihr Name mit den Texten in Ver¬ 
bindung. Vgl. aber oben, Anm. 41. 
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