Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

wieder das Statthalteramt innehatte. Schenk von Schweinsberg1' und Kratzsch1 ,s spre¬ 
chen von einer ,Verhängung der Reichsacht4, was aber nicht zutrifft; denn sie war ein dem 
Kaiser vorbehaltenes Rechtsmittel und zog eine Einschaltung des Reichshofgerichtes nach 
sich,1" während es sich bei dem Vorgehen Maximilians um eine Maßnahme auf Grund le¬ 
henherrlicher Rechte handelte und die betreffenden Lehen nicht Reichslehen, sondern lu¬ 
xemburgische Lehen waren. 
Der Tod Marias von Burgund am 27. März 1482 bewirkte eine Schwächung von Maxi¬ 
milians Stellung in den burgundischen Landen. Laut Heiratsvertrag sollte seine Regie¬ 
rungsbefugnis mit dem Tod seiner Gattin enden. Da der Vertrag aber keine Bestimmun¬ 
gen enthielt, wer bei Marias Tod die vormundschaftliche Regierung für ihre eventuell 
noch unmündigen Kinder übernehmen sollte, Maximilian diese aber anstrebte, musste er 
die Zustimmung der Stände der einzelnen Provinzen einholen."1 Die Luxemburger Stän¬ 
de erkannten ihn als vormundschaftlichen Regenten an, — ein Zeichen, dass die ^ohmi¬ 
sche Partei4 an Gewicht und Einfluss verloren hatte. Der Rodemacher und der Virnebur- 
ger jedoch verharrten in Opposition, hielten zehn oder zwölf Burgen und Orte besetzt, 
fanden aber angesichts des bedauerlichen Zustandes des Landes (foulé et détruit) kaum Un¬ 
terstützung beim luxemburgischen Adel.11' Die Luxemburger Bürgerschaft ließ sich von 
Maximilian zu einem neuen Zug gegen Rodemachern gewinnen. Als ihre Vorhut am 29. 
Mai 1482 bei Gandern geschlagen wurde, beschränkte sie sich auf die völlige Zerstörung 
der Burg Hesperingen und kehrte danach in die Stadt zurück. 
Zu diesem Zeitpunkt war Maximilian wegen der Haltung der Stände in den anderen 
Provinzen, wegen des Aufmarschs französischer Truppen an der Grenze zu Flandern und 
wegen des Sturzes des Bischofs von Lüttich durch Wilhelm von der Mark mit französi¬ 
scher Hilfe viel gelegen an einer Ruhigstellung des aufsässigen Rodermachers und Virne- 
burgers und damit des Luxemburger Landes.1" Daher veranlasste er den Trierer Kurfür¬ 
sten Johann, einen für die Rebellen günstigen Frieden auszuhandeln, der am 13. August 
1482 beurkundet wurde. Dem Grafen von Virneburg und dem Herrn von Rodemachern 
sollten alle eingezogenen Burgen, Renten und Gefälle zurückgegeben, die Gefangenen 
von beiden Seiten frei gelassen werden. Gerhard sollte bis zum nächsten Remigiustag die 
luxemburgischen Lehen empfangen. Der Virneburger und Gerhard sollten ihren Lehns¬ 
pflichten gegen Maximilian und gegen den König von Frankreich nachkommen, bei Kon¬ 
flikten zwischen diesen beiden Lehnsherren neutral bleiben. Maximilian sollte 4000 fl. an 
Georg von Virneburg und weitere 6000 fl. für Schäden, die Gerhard entstanden waren, 
zahlen. Bemerkenswert ist, dass zu dieser Zeit der Virneburger die Rodemacher’schen 
Burgen inne hatte und dass die 6000 fl. Entschädigung aus Forderungen Gerhards an Ma- 
de Rodemach et ä nous echeues et avenues par droit de conhscation parce que le dir seigneur de Rodo- 
mach a tousiours tenu comme encores fait, le party ä nous contraire“ (Druck ebd., S. 139 Nr. 380). 
13 Schenk von Schweinsberg: „Margarete von Rodemachern“ (wie Anm. 24), S. 127. 
138 Kratzsch: Gebetbuch (wie Anm. 40), S. 34. 
139 Im Jahr 1481 war Maximilian noch nicht König, sondern sein Vater Friedrich III. 
14,1 Wiesflecker, Hermann: Kaiser Maximilian 1, Das Reich, Österreich und Europa an der Wende %ur Neuheit, Bd. 1, 
München 1971, S. 162f. 
141 Würth-Paquet in: Puhl. Lux. 35 (1881) S. 149. 
142 Wiesflecker: Kaiser Maximilian /. (wie Anm. 140), S. 1641. 
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