Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

Januar) datiert wurde, sondern nach dem in den Diözesen Metz und Trier üblichen An- 
nuntiadonsstil (Jahresbeginn 25. März), der auch im 1 lerzogtum Luxemburg bis 1584 galt. 
Somit entspricht die Datierung dem 6. März 1486. 
lüngere Erwähnungen Gerhards als lebende Person sind mir nicht bekannt. Die Un- 
richtigkeit der Eintragung seines Todesdatums durch Margarethe in ihrem Gebetbuch 
dürfte mit Verschreibung oder Unkenntnis des genauen Todesdatums zu erklären sein. 
Letzteres halte ich für möglich, weil die beiden Ehegatten zu dieser Zeit vermutlich ge¬ 
trennt gelebt haben. ,1458‘ statt ,1485‘ ließe sich erklären mit ungewöhnlicher Schreibung 
der Zahl, indem Margarethe die Zehnerstelle vor die Einerstelle rückte, also L111 den 
Wert von achtzig hat. Als Todestag nennt sie Freitag nach Fronleichnam, das ergäbe im 
Jahr 1485 den 3. Juni, aber da lebte Gerhard ja noch. Die abweichende Jahreszählung bei 
Jahresanfang nach Circumcisionsstil und Annuntiationssdl ergibt sich nur für die Zeit 
zwischen 1. Januar und 24. März, nicht mehr für Fronleichnamstag. Gehen wir davon aus, 
dass Margarethes Tagesangabe richtig ist, dann kommen wir auf 26. Mai 1486. 
Eine Handschrift aus dem Prämonstratensersdft Justemont enthält in einem Nekrolog 
unter dem 14. August (,XIX kal. septembris‘) den Eintrag „Commemoratio Gerardi dni. 
de Roscei, que dedit nobis domum ecclesiae de Richemont“.“ Das genannte Datum wur¬ 
de bisher nicht als Todestag Gerhards angesehen, sondern als Termin der von Gerhard 
mit dem Stift im Jahr 1448 ausgehandelten Messfeiern als Gegenleistung für seinen Ver¬ 
zicht auf das zwischen ihm und dem Stift strittige Patronatsrecht an der Kirche in Ri- 
chemontA 
Ab Ende Juni 1486 liegen Nachrichten vor, dass die Grafen von Mörs-Saarvverden — 
unklar ob Vinzens oder Bernhard — sich mit Rodemachern befassten. Einer von ihnen 
schickte zu dieser Zeit den Kellner von Rodemachern zu einer Besprechung mit dem 
Herrn von Wittgenstein, also Gerhards Schwiegersohn, nach Kölln A Am 17. Juli war er 
selbst in Rodemachern, wohl um sich vom Stand der Wiederaufbauarbeiten zu informie¬ 
ren. Er wohnte nicht in der Burg, sondern in „Gerhart schomechers huysse“A Im Som¬ 
mer 1487 legte der Kellner von Rodemachern den Grafen von Mörs-Saarwerden Rech¬ 
nung über Einnahmen und Ausgaben der beiden Herrschaften Rodemachern und Ri¬ 
chemont für die Zeit zwischen Johann Bapt. 1486 und Johann Bapt. 1487. " 
Diese Nachrichten stützen den Zeitpunkt des Ablebens Gerhards um Fronleichnam 
1486. Unklar bleibt, wie und wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.2 In der Narratio 
22 Zitiert nach Jacquemin, Emile: L:’Abbaye de Notre Dame de justemont. Ordre de Prémontré Diocèse de Mety 
1124-1792 (Région de Thionville, Etudes historiques Fase. 10), Metz 1950, S. 7 und 225. Pis handelt sich 
um das so genannte Manuscrit de Justemont, das R. P. Francois Robert bei einem Aufenthalt in Justemont 
1767-1771 niederschrieb, es wird heute in der Pfarrgemeinde Vitry-sur-Orne aufbewahrt. 
23 Auszugsweiser Druck der Urkunde bei Jacquemin: Justemont (wie Anm. 22), S. 65f. 
24 Keussen: UB Krefeld (wie Anm. 16), Nr. 4052. 
25 Rechnung des Kellners Peter über Einnahmen und Ausgaben der Herrschaften Rodemachern und Ri¬ 
chemont von Johann Bapt. 1486 bis Johann Bapt. 1487 (Archives Départementales de Meurthe-et-Moselle, 
künftig gekürzt AD M-et-M, B 584 Nr. 37 bis). 
26 Wie Anm. 25. Die Rechnung enthält keine Angaben über Gerhards Tod und Margarethes Aufenthalts¬ 
ort. 
r Zwei Regesten im Staatsarchiv Luxemburg A L II A Betzdorf (Inventarfragment 17. Jahrhundert) deu- 
126
	        

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