Full text: Interferenz-Onomastik (43)

einer relationalen Datenbank erfasst,1 3 Das flächendeckende, chronologisch tief 
geschichtete und elektronisch abrufbare Namenmaterial des ASFSL bietet 
eine hervorragende Quellengrundlage für differenzierte wortgeographische 
Untersuchungen auf der Basis des Flurnamenschatzes. 
Mit den Materialien des ASFSL und unter Anwendung der Methoden der 
Flurnamengeographie4 versuchte das von der Deutschen Forschungsgemein¬ 
schaft (DFG) geförderte Projekt ,Nordwörter' und ,Südwörter'. Alte 
Wortschichten in Siedlungs- und Flurnamen und ihre Aussagefähigkeit für die 
Stellung des Saar-Mosel-Raumes innerhalb der Westgermania die wortgeo¬ 
graphische Stellung des Saar-Mosel-Raumes zu erhellen. Wie lautgeogra¬ 
phische Forschungen bereits aufzeigen konnten, ist der Untersuchungsraum 
des ASFSL in einer sonst im deutschen Sprachgebiet nicht anzutreffenden 
Weise ein Begegnungs- und Interferenzraum nördlicher und südlicher Sprach- 
erscheinungen. Er ist von einer Reihe von Isoglossen durchzogen (Wiesinger 
1983, S. 847 Karte 47.8; Will 1979, S. 33 Abb. 9 und S. 93 Abb. 35), deren 
augenfälligste, die dat/das-Linie, den Saar-Mosel-Raum zu einer Schnittstelle 
zwischen den Großdialekten des Moselfränkischen und des Rheinfränkischen 
macht. Untersuchungen der spätmittelalterlichen Literatursprache des Raumes 
haben bereits ergeben, dass sich dessen Stellung zwischen nördlichen und süd¬ 
lichen Erscheinungen auch in der Lexik zeigt (Bichsei 1999; Haubrichs 2002; 
Ders. 2007). Durch die wortgeographische Bearbeitung von Flurnamenmate¬ 
rial aus den ASFSL-Beständen konnten im Saar-Mosel-Raum Flumamenräu- 
me ausgemacht werden, die teils als Beharrungs-, teils als Innovationsräume 
zu charakterisieren sind. Außerhalb des Untersuchungsgebietes haben diese 
Räume Anschluss nach Norden hin an den zum Herzogtum Luxemburg gehö¬ 
rigen Teil des Gutlandes, an das Trierer Land sowie an den Hunsrück, nach 
Osten hin zur Pfalz und nach Süden hin über die Vogesen zum alemannisch- 
elsässischen Oberrhein (Schorr 2000, S. 34-51 und S. 79 Karte 21). Das For¬ 
schungsprojekt ,Nordwörter' und ,Südwörter' hatte es sich zur Aufgabe 
gemacht, alte lexikalische Verbindungen des Saar-Mosel-Raumes zu den 
ripuarischen und niederfränkischen Dialektgebieten im Norden und Nord¬ 
westen (daher der Terminus ,Nordwörter‘) sowie von Süden vordringende 
Neuerungen mit oberdeutsch-alemannischen Bezügen (,Südwörter‘ also) 
nachzuweisen. Die Bearbeitung der Quellen des ASFSL unter diesem Aspekt 
schloss an die wortgeographischen Studien von Gotthard Lerchner sowie die 
flumamengeographischen Arbeiten von Wolfgang Kleiber und Hans Ramge^ 
1 Eine ausführlichere Beschreibung des Saarbrücker Archivs mit Literaturhinweisen 
zu den Anfängen und zur Konzeption des ASFSL sowie zu der besonderen Bedeu¬ 
tung des Archivs als Voraussetzung und Grundlage für die auf die Sammel- und Er¬ 
fassungsphase folgenden Auswertungsprojekte findet sich in Kunz 2008, S. 375f. 
mit Anm, 2. 
4 Zu deren Forschungsgeschichte vgl. Ramge 1996. 
Vgl. die bibliographischen Hinweise im Literaturverzeichnis. 
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