Full text: Interferenz-Onomastik

Verlauf der deutsch-französischen Sprachgrenze wurde die Untersuchung von 
Constant This (1887) gewählt und auf den Karten 1 und 4 dargestellt. Sie 
spiegelt einen inzwischen auch historisch gewordenen Verlauf, jedoch liegen 
östlich dieser Linie - von wenigen Ausnahmen abgesehen - die Aufnahmeorte 
für die Mundarterhebung der Flurnamen im Saarbrücker Ortsnamenarchiv 
(ASFSL), die auch einige heute französischsprachige Orte mit stark deutsch 
geprägter Mikrotoponymie umfassen. Grundlage für die tentative Rekons¬ 
truktion einer früheren Sprachgrenzlinie im Übergang von Früh- zu Hoch¬ 
mittelalter auf den Karten 2 und 3 waren die unten angeführten Siedlungs¬ 
namenstudien sowie die Untersuchung zum historischen Verlauf der Sprach¬ 
grenze von Hans Witte (1894). Die historische Verbreitung von sprachlichen 
Erscheinungen im Raum hängt für die frühen Verhältnisse stark von den 
Siedlungskammern und der die Kommunikation eher hemmenden Waldbe¬ 
deckung ab. Auf Karte 1 wurde durch den Schriftzug Vosagus der historisch 
gesicherte (Dokumentation bei Puhl 1999, S. 396-412 und Karte 5), weiter 
nach Norden reichende Verlauf des Vogesenwaldes angedeutet, der für die 
frühmittelalterliche Orientierung des gegen Osten abgeschotteten Raumes 
nach Nordwesten eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte. 
3, Flurnamenräume 
Wenn in dieser kleinen Studie die Flurnamengeografie mit der Siedlungsna¬ 
mengeografie in Verbindung gebracht wird, so steht dies in der Tradition 
dieser Forschungsrichtung (Ramge 1996, S. 1170). Die kontaktonomastische 
Herangehensweise ist im Fach etabliert. Hans Ramge stellt etwa fest: „Wegen 
ihrer kleinräumigen Ortsbezogenheit und ihres Reliktverhaltens sind Flurna¬ 
men wichtige Zeugnisse für Sprachkontakt und Sprachwechsel in verschie¬ 
densprachig besiedelten Räumen“ (Ramge 1996, S. 1171). Teile des Unter¬ 
suchungsgebietes, nämlich der ehemals zur preußischen Rheinprovinz gehö¬ 
rige Anteil des Saarlandes, wurden schon in den Arbeiten der Rheinischen 
Schule in Bonn mit berücksichtigt, am nachhaltigsten in der mit zahlreichen 
Verbreitungskarten versehenen Studie Heinrich Dittmaiers zu den Flurnamen 
des Rheinlandes (1963). Auch die durch die Rheinische Schule angeregten 
Arbeiten Emst Christmanns (1938; 1965) betreffen das Untersuchungsgebiet, 
schwerpunktmäßig den ehemals pfälzischen Teil des Saarlandes, den heutigen 
Saarpfalz-Kreis. Im Anhang seiner Saarbrücker Dissertation hat Gerhard 
Bauer, im Anschluss an die Arbeiten der Rheinischen Schule und diejenigen 
von Emst Christmann, den ehemaligen Landkreis Saarbrücken flurnamen¬ 
geografisch betrachtet (Bauer 1957, S. 263-272 mit den Karten 1-8). 
Durch die Arbeiten von Hans Ramge (1985; 1987a; 1987b), die insbeson¬ 
dere die von ihm so benannten ,Flurnamenräume4 für den hessischen Raum 
profilieren konnten, wurde eine eigene Untersuchung der Verhältnisse im 
Saar-Mosel-Raum inspiriert, ausdrücklich unter Beachtung der Flurnamen¬ 
lagerungen im französischen Teil des Untersuchungsraumes bis zur Sprach¬ 
grenze (Schorr 2000). Es konnten dabei drei Beharrungsräume und zwei Inno¬ 
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