Full text: Interferenz-Onomastik

Andreas Schorr 
Zur Namengeografie galloromanischer Lehn- und 
Reliktwörter in Mikrotoponymen des Saar-Mosel- 
Raums 
1. Einleitung 
Die Erforschung der galloromanischen Namenrelikte östlich der heutigen 
deutsch-französischen Sprachgrenze hat in den letzten Jahrzehnten beträcht¬ 
liche Fortschritte gemacht (Literaturberichte Haubrichs 2003a-b; 2005; Pitz 
2008; Post 2004). Insbesondere die Moselromania hat mittlerweile im 
Bewusstsein der wissenschaftlichen und auch der breiteren Öffentlichkeit in 
der betroffenen Region eine gewisse Aufmerksamkeit gefunden. Sie wurde 
von germanistischer Seite und auch aus der Perspektive der Romanistik 
erforscht, gerade in jüngster Zeit mit neuen Studien (Barme 2006a; 2006b; 
2008; Kramer 2002). ln diesem Beitrag werden nun einige noch weniger 
bekannte Aspekte der Mikrotoponymie kleinräumiger Kontinuitätsareale in 
der Mittelzone zwischen dem einst kompakten Sprachgebiet der Romanen an 
der Mittelmosel und der heutigen Sprachgrenze in Lothringen aufgezeigt. Die 
Quellenbasis bilden Flurnamen aus dem Archiv für Siedlungs- und Flurnamen 
des Saarlandes und des germanophonen Lothringen (ASFSL), die der Autor 
zusammen mit Martina Pitz (Lyon) unter der Leitung von Wolfgang Haub¬ 
richs in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt 
Galloromanische Relikte in der Toponomastik Ostlothringens und des 
Saarlandes. Ihr Aussagewert für eine interdisziplinäre Kontinuitätsdiskussion 
ausgewertet hat. Die Kartierung von Flurnamenwörtem romanischer Herkunft 
wird kontrastiert mit den Ergebnissen der Siedlungsnamenforschung des 
Raumes sowie einer Studie zu den Flurnamenräumen im Saarland und in 
Ostlothringen (Schon* 2000). Die Validität der auf Flurnamen basierten 
Sprachdaten wird durch den Vergleich mit den Resultaten der 
Siedlungsnamenforschung aufgezeigt. Kleinere Abweichungen zwischen den 
jeweiligen Ergebnissen können durch die Dynamik sprachgeografischer 
Entwicklungen des Spätmittelalters und der Neuzeit erklärt werden. 
2. Das Untersuchungsgebiet 
Das Untersuchungsgebiet setzt sich zusammen auf deutscher Seite aus dem 
Saarland und auf französischer Seite aus den historisch deutschsprachigen 
Teilen des Moseldepartements sowie dem Krummen Eisass, das sind die 
sprachlich zum lothringischen Rheinfränkischen gehörigen unterelsässischen 
Kantone Saar-Union, Drulingen und Lützelstein (Petite-Pierre). Aus den 
zeitlich und z.T. auch methodisch unterschiedlichen Untersuchungen zum 
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