Full text: Interferenz-Onomastik

Maria Vòllono 
Germ, /w/ in langobardischen Anthroponymen bis 
774 
Grapho-phonetische Überlegungen, Diatopie und Diachronie 
der Varianten 
Die Wanderung der Langobarden nach Norditalien im Jahre 568 unter der 
Führung König Alboins und die Errichtung eines dauerhaften langobardischen 
Königreichs' hat neben sprachlichen Spuren im Bereich der Lexik auch dazu 
geführt, dass sich zahlreiche Personennamen germanischen Ursprungs ver¬ 
breiteten, wo bislang eine traditionelle lokale Onomastik, meist lateinischen 
Ursprungs, Gültigkeit gehabt hatte. Das germanische Namensystem hat die 
Namengebung im Bereich der Langobardenherrschaft stark und nachhaltig 
geprägt. Personennamen sind eine wichtige historische und sprachliche Quel¬ 
le, vor allem für das frühe Mittelalter, aus dem schriftliche Quellen nur sehr 
spärlich auf uns gekommen sind. So lässt sich die fortschreitende Assimilation 
der Langobarden an ihre romanische Umgebung ab dem 8. Jahrhundert etwa 
daran ablesen, dass es in den langobardischen Territorien Italiens in ver¬ 
stärktem Maß zur Bildung von Hybridnamen kommt, d.h. Kombinationen 
eines germanischen und eines romanischen Elements. Dies ist ein beredtes 
Zeugnis einer bilingualen Gesellschaft im regnum Langobardorum, die frei¬ 
lich einem dauernden Wandel hin zu einer immer deutlicher ausgeprägten 
sprachlichen und nicht zuletzt kulturellen Dominanz der Romanen unter¬ 
worfen war.1 2 3 Im Einzelnen spiegelt sich der Grad der Akkulturation in der 
Phonologie, der Morphologie und der Semantik der Namen wider; bei der 
Auswertung dieser nicht nur kulturgeschichtlich, sondern auch linguistisch be¬ 
deutsamen Zeugnisse der sprachlichen Assimilation bleiben jedoch Kriterien 
wie die Unterscheidung von Kopie und Original, Interferenzerscheinungen 
sowie die geographische und zeitliche Ausbreitung eines bestimmten Phäno¬ 
mens stets zu berücksichtigen. 
1 Zum Folgenden vgl. auch die Überblicke bei Jamut 1982; Ders. 1993, S. 173-194; 
Dclogu 1995, S. 290-319. 
2 Francovich Onesti 2000, S. 357-374; Dies. 2004, S. 204-220; Haubrichs 2004a, S. 
85-105; Haubrichs 2004b, S. 179-203; Haubrichs 2005, S. 67-102; Haubrichs 2008, 
S. 87-140; Wagner 2000, S. 152ff. 
3 Seit der Darstellung der Sprache der Langobarden durch Bruckner 1895 ist die ein¬ 
schlägige Forschung ausgehend von verlässlichen Neueditionen der Quellen sowohl 
im Bereich der Lexik als auch in der Personennamenforschung auf eine völlig neue 
Grundlage gestellt worden. Für die Onomastik, die langobardischen Namen, sind 
vor allem die Arbeiten von Arcamone 1972, 1976, 1980, 1986, 1997a; Francovich 
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