Full text: Interferenz-Onomastik

tigt, in einem verhältnismäßig großen Raum zwischen Rhein, Maas und Mosel 
mit einem Zentrum zwischen Köln, Bonn und Aachen weit über hundert ver¬ 
schiedene Kultnamen* 4 5 von Matronengottheiten bezeugt, die Gesamtzahl allein 
der niedergermanischen und keltischen Matronennamen beläuft sich auf über 
1300 Belege. Die Namen liegen zudem, da sie in Stein gemeißelt sind, in Ori¬ 
ginalüberlieferung vor und bedürfen zu ihrer Beurteilung keiner überliefe¬ 
rungsgeschichtlichen Kunststücke, wenngleich die epigraphische Arbeit an 
gut 1700 Jahre alten Denkmälern mit mancher Schwierigkeit der Wiederher¬ 
stellung und korrekten Lesung konfrontiert ist. Was die Edition der Denkmä¬ 
ler anbelangt, so ist man zu einem großen Teil auf die verstreuten Fundberich¬ 
te und Einzeluntersuchungen angewiesen; immerhin sind aber äußerst viele 
der Inschriften unter anderem in den Teilbänden von CIL XIII sowie in der 
„Epigraphischen Datenbank Heidelberg“ (EDH) leicht aufzufinden, und nebst 
der Monographie von Siegfried Gutenbrunner von 19368 liefert insbesondere 
Reicherts Lexikon6 * zu den germanischen und einem Teil der keltischen 
Namen die detaillierten Angaben zu Fundorten, zum Dedikantenkontext, zu 
Lesarten sowie weitere kleine Hilfen für die Arbeit an den Namen. 
Im Folgenden soll ein Ausschnitt aus der reichen Überlieferung von Matro¬ 
nennamen unter kontakt- respektive interferenzonomastischen Gesichtspunk¬ 
ten betrachtet werden, wobei insbesondere real- beziehungsweise kultur- und 
religionshistorische Hintergründe mit zu berücksichtigen sein werden, da das 
betreffende Gebiet in den ersten Jahrhunderten nach Christus in ganz besonde¬ 
rem Ausmaß von einer sprachlichen, ethnischen und religiösen Vielfalt ge¬ 
prägt war.8 
von Patrizia de Bemardo Stempel“, in: ebd., S. 125-148. 
4 Nach der Terminologie von Hainzmann, Manfred: „Götter(bei)namen - Eine An¬ 
näherung“, in: Wolfgang Spickermann / Rainer Wiegels (Hg.): Keltische Götter im 
Römischen Reich. Akten des 4. Internationalen Workshops „Fontes Epigraphici 
Religionis Celticae Antiquae" (F.E.R.C.A.N.) vom 4.-6.10.2002 an der Universität 
Osnabrück (Osnabrücker Forschungen zu Altertum und Antike-Rezeption 9), 
Möhnesee 2005, S. 1-14, hier S. 5. 
5 Gutenbrunner, Siegfried: Die germanischen Götternamen der antiken Inschriften. 
(Rheinische Beiträge und Hülfsbücher zur germanischen Philologie und Volks¬ 
kunde 24), Halle a. d. Saale 1936. 
6 Reichert, Hermann: Lexikon der altgermanischen Namen. 1. Teil: Text (Thesaurus 
Palaeogermanicus 1), Wien 1987. 
Manche Einträge bei Reichert (wie Anm. 6) sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, 
vgl. dazu Graf, Martin Hannes: Schaf und Ziege im frühgeschichtlichen Mittel¬ 
europa - Sprach- und kulturgeschichtliche Studien (Archaeolingua, Main Series 
19), Budapest 2006, S. 69. 
x Vgl. Weisgerber, Leo: Die Namen der Ubier (Wissenschaftliche Abhandlungen der 
Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen 34), Köln / 
Opladen 1968, S. 268 und passim. 
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