Full text: Interferenz-Onomastik

eine gesprochene Form [borgentsan] mit einiger Sicherheit schließen. Der 
deutschen Sprechform dürfte ein altsorbischer Ortsname als Bewohnemame 
vorausgegangen sein, der rekonstruiert etwa folgende Entwicklungskette er¬ 
gibt: *BorgQzane < *Burgyzane < *Burgund-, vgl. germ. Burgundi etc.43 Vom 
10. Jahrhundert an muss die altsorbische Form *Borggzane in der inter¬ 
ethnischen Kommunikation von deutschen Sprechern als etwa [*borgontsane] 
verwendet worden sein. Diese Form dürfte dann im deutschen Sprachge¬ 
brauch schließlich in mittelhochdeutscher Zeit durch Vokalreduktion in der 
unbetonten Mittelsilbe sowie im Auslaut zu [borgentsan] geführt haben. Und 
im Weiteren ist dann die Mittelsilbe im Deutschen ganz geschwunden, was 
die Belege gut widerspiegeln. 
Als Vergleichsname findet sich der polnische Ortsnamen Bargqdzino, 
deutsch früher Bergensin (ehemals Kreis Lauenburg/Hinterpommem), 1395 
Bargonsin, 1404 Barganschino usw.44 Die Erläuterung der sprachlichen Ent¬ 
wicklung dieses Namens im Polnischen ist von Max Vasmer in Verbindung 
mit Familiennamen, die den Burgunder-Namen fortsetzen, ausführlich behan¬ 
delt worden.45 
8.2. Wie ist aber die sprachliche Aufzeichnung von um 1200 in Bruzen zu in¬ 
terpretieren? 
Diese als stark entstellt empfundene Form hat bereits Zweifel erregt und zu 
der Frage veranlasst, ob sie überhaupt zu dem Ortsnamen Borgishain zu stel¬ 
len ist.46 Aber die Zuverlässigkeit der Quelle, des Bosauer Zehntverzeich¬ 
nisses, und die darin beobachtbare Abfolge der Ortsnamen zerstreuen solche 
Zweifel. Freilich ist der sprachliche Zusammenhang nur noch mühsam herzu¬ 
stellen. 
Die so rätselhafte Form <Bruzen> muss offensichtlich auf eine altsorbische 
Form aus der Zeit nach der Entnasalierung von |p| [013] > |uj zurückgehen. Eine 
44 Zum Namen der Burgunder vgl. Neumann, Günter: „Burgunden“, in: Reallexikon 
der Germanischen Altertumskunde 4 (1981) S. 230f. sowie Schwarz, Emst: Germa¬ 
nische Stammeskunde, Heidelberg 1956, S. 74 ff. - Der altsorbische Bewohnemame 
zeigt die ganz regelmäßige Übernahme der vorslawischen Form germ. Burgundi als 
*BbrgQdb. Wie in urslaw. tbrt generell wurde r>r zwischen Konsonanten hier im 
Altsorbischen zu or, dem z.B. poln. ar entspricht, vgl. ursl. *gbrdlo ,Kehle1 und 
poln. gardio sowie obersorb. horto, hordlo aus älterem *gordlo. 
44 Lorentz, Friedrich: Slawische Namen Hinterpommerns, Berlin 1964, S. 7. Vgl, auch 
Rymut, Kazimierz: Nazwy miejscowe Polski. Historia, pochodzenie, zmiany, Bd. 1, 
Krakow 1996, S. 80f. mit weiteren historischen Belegen. 
44 Vasmer, Max: „Der Burgundemame bei den Westslaven“, in: Herbert Brauer (Hg.): 
Max Vasmer: Schriften zur slavischen Altertumskunde und Namenkunde, Bd. 2, 
Berlin 1971, S. 590-598. [Wiederabdruck einer Friedrich Lorentz gewidmeten Stu¬ 
die aus dem Jahr 1933.] 
46 HONB (wie Anm. 4), Bd. 1, S. 93. 
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