Full text: Interferenz-Onomastik

der oberen Schwabach genannt wird,32 weist den Bestandteil -il auf. Durch das 
Einfugen des Vokals i wurde nicht nur die im Deutschen nicht geläufige Laut¬ 
folge -j/ vermieden, sondern auch eine Angleichung an das deutsche Suffix 
-il- erreicht, das zur Bildung hypokoristischer Personennamen diente. Damit 
liegt eine Adaptation vor, die sich zugleich auf die phonemische und auf die 
morphemische Ebene bezieht. Sie kann sich zeitgleich mit der Übernahme der 
Personennamen ins Deutsche vollzogen haben. 
4. Zusammenfassung und Ausblick 
Durch die Untersuchung von Integrationsphänomenen bei eingedeutschten 
slavischen Orts- und Personennamen werden Erkenntnisse gewonnen, die 
wertvolle Dienste bei der Namenerklärung leisten. Dies betrifft sowohl die 
exakte Bestimmung rekonstruierter Grundformen als auch die Beurteilung der 
Wahrscheinlichkeit bestimmter Etymologien im Verhältnis zu Deutungsalter¬ 
nativen. Darüber hinaus ermöglicht die Integrationsforschung die zeitliche 
Eingrenzung des slavisch-deutschen Sprachkontakts und liefert damit wichtige 
siedlungsgeschichtliche Daten, die künftig noch eingehender mit entsprechen¬ 
den Ergebnissen der archäologischen, regional- bzw. landeshistorischen und 
siedlungsgeographischen Forschung zu vergleichen sind. 
Allerdings stehen nicht für alle Teile des sich von der Ostsee bis zur Adria 
erstreckenden slavisch-deutschen Kontaktgebiets ausreichende Grundlagen in 
Form von Namenbüchern für die Analyse der Integration zur Verfügung. So 
sind besonders in Thüringen und in Nordbayern, aber auch in der Steiermark 
und in Kärnten, noch größere Lücken zu schließen. Innerhalb Nordbayerns 
stellt vor allem die Bearbeitung der Toponymie der an Böhmen, Sachsen und 
Thüringen angrenzenden oberfränkischen Landkreise ein dringendes Deside¬ 
rat dar. Die Schaffung einer möglichst breiten Materialbasis ist unverzichtbare 
Voraussetzung, wenn man dem Ziel einer umfassenden Studie zur Integration 
von Orts- und Personennamen im gesamten slavisch-deutschen Berührungs¬ 
gebiet näher kommen will. 
Quellen und Literatur: 
Bergermayer, Angela: Glossar der Etyma der eingedeutschten Namen slavi- 
scher Herkunft in Niederösterreich (Österreichische Akademie der Wissen¬ 
schaften, Philosophisch-historische Klasse, Schriften der Balkan-Kommis¬ 
sion 44), Wien 2005. 
BSDS = Eichler, Emst / Greule, Albrecht / Janka, Wolfgang / Schuh, Robert: 
Beiträge zur slavisch-deutschen Sprachkontaktforschung. I: Siedlungsna¬ 
men im oberfränkischen Stadt- und Landkreis Bamberg. II: Siedlungsna¬ 
men im oberfränkischen Stadt- und Landkreis Bayreuth (Slavica. Mono¬ 
32 Vgl. ebd. S. 193. 
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