Full text: Interferenz-Onomastik

-ina: FlurN (> SN) *Borovina (zu *borb ,Föhrek): 1314 Vorbein, 1317 
Vorbin, 1486 Forba, 1534 Forbau, 1583 Forbach > [fonwu], Vorbach (Lkr. 
Neustadt a. d. Waldnaab) 
Anders verlief die Entwicklung nur dann, wenn die slavische Betonung des 
Suffixes -in- im Deutschen erhalten blieb. Dies veranschaulicht der Siedlungs¬ 
name Döberein (Lkr. Tirschenreuth), 1119 (Fälschung 12. Jh. E.) To her in, 
ma. [djnwu’rqe], < slav. *Dobrin- zum PN *Dobrb, mit dem Hauptton auf der 
letzten Silbe. 
Wenn in der bayernslavischen Grundform das kurzvokalische Suffix -bn- 
enthalten war, kam es nicht zur Apokope von -n: 
-bn-: SN *Trebezbn- (zu *trebezb ,Rodung1): 1279 Trevezn, 1347 Treuesen > 
[dre'fmsn], Trevesen (Lkr. Tirschenreuth) 
Dieser Befund hat Auswirkungen auf die Erklärung des Siedlungsnamens 
Perschen (Lkr. Schwandorf), ma. [beusn], zu 798 (Fälschung um 1055, Kopie 
ll. Jh. 2. H.) Bersana, vor 1176 Persin, der für die Siedlungsgeschichte Nord¬ 
bayerns von großer Bedeutung ist, weil es sich um das einzige Zeugnis für 
einen bereits vor der slavischen Liquidenumstellung des 8. Jahrhunderts1 
eingedeutschten Namen handelt. Die Grundform dieses Siedlungsnamens ent¬ 
hielt wohl nicht das Suffix -jane (wie bisher angenommen),'8 sondern kurzvo- 
kalisches -bn-. Es dürfte *Berzbn- zu *berza (> *breza) , Birke ‘ oder - ange¬ 
sichts der Lage der Siedlung am Ufer der Naab wahrscheinlicher - *Berzbn- 
zu *bergh (> *bregb) ,Ufer" anzusetzen sein. 
3.2. Kombination der slavischen Suffixe {-bn-} und {-ilvb} 
Das Suffix -ikb wurde an Adjektive auf -bn- angefügt; die auf diese Weise 
entstandenen Substantive konnten als Toponyme verwendet werden. Die Ver¬ 
bindung von -bn- und -ikb ergab -bnikb (nach Umgestaltung der Reduktions¬ 
vokale -nik). Auch in der Anthroponymie war -bn- + -ikb produktiv (vgl. alt¬ 
tschechische Personennamen wie Dobrnik, Hostnik, Slavnik usw.* 19). Bei eini¬ 
gen Ortsnamen im Untersuchungsgebiet war -(b)nik- von einer Angleichung 
an das deutsche Suffix -ing- betroffen - eine Erscheinung, die auch in anderen 
slavisch-deutschen Kontaktgebieten begegnet (so z.B. bei niederöster¬ 
reichischen Siedlungsnamen wie Pleißing < *Pluzbnikb oder Reidling < 
*Rudbnikb20). In Bezug auf Nordbayem sei hier auf zwei Tatsachen hinge¬ 
wiesen: 
1 Vgl. dazu Schwarz 1960, S. 183-185. 
18 Vgl. ebd. S. 185. 
19 Svoboda 1964, S. 156. 
20 Vgl. Bergermayer 2005, S. 121 f., 227f. 
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