Full text: Interferenz-Onomastik

ferner gezeigt, dass sich auch und gerade im Bereich der alteuropäischen 
Hydronymie die im nichtonomastischen Bereich festgestellten engen Bezie¬ 
hungen zwischen dem Baltischen und Germanischen bestätigen und festigen 
lassen. Dabei wurde von mir die Frage „Baltisches in Niedersachsen?“1’ aufge¬ 
worfen, also die Betrachtung auf einen kleineren Raum beschränkt. Zudem lag 
das Augenmerk nicht auf Hydronymen, sondern Toponymen. Toponyme oder 
im engeren Sinne Ortsnamen gelten gegenüber Hydronymen in der Regel als 
deutlich jüngere und vor allem einzelsprachliche Namensschicht. Ich hatte 
seinerzeit gefolgert: 
Auffällig ist dabei allerdings, daß sich die Gemeinsamkeiten nicht nur 
auf die Hydronymie beziehen, sondern auch die Toponymie betroffen 
ist. Der Grund für diese auffällige Erscheinung mag in der besonderen 
Position des niedersächsischen Raumes innerhalb der Germania liegen, 
ein Phänomen, das in Ansätzen schon behandelt wurde, das aber noch 
weiterer intensiver Aufarbeitung bedarf? 
In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, dass es Orts¬ 
und Gewässernamen in Norddeutschland gibt, deren appeilativische Grundla¬ 
gen engere Kontakte mit dem Baltischen und Slavischen voraussetzen. Diese 
Erscheinungen sind nicht nur für die Frage nach Frühzeit und Gliederung des 
Germanischen von Bedeutung, sondern auch darüber hinaus für die Frage, 
welche Rolle der Alteuropäischen Hydronymie zugewiesen werden muss, vor 
allem unter dem Aspekt, dass diese Theorie immer noch und wieder heftiger 
Kritik ausgesetzt ist. Der Beitrag wird zu zeigen versuchen, dass eine vorur¬ 
teilsfreie Beurteilung der Alteuropatheorie nur unter gründlicher Einbeziehung 
der osteuropäischen Sprachen und deren Namenlandschaft erfolgen kann. 
Das 1998 begründete Niedersächsische Ortsnamenhuch (NOB), von dem 
bislang sechs Bände erschienen sind,4 hat sich die sukzessive Aufarbeitung 
furt/Main 1999, S. 493-508; vgl. ferner Udolph, Jürgen: „Slavjano-germanskie 
svjazi v sevemo-nemeckich toponimach“, in: Étimologija 1997-1999, Moskva 2000 
[Festschrift für O.N. Trubacev], S. 185-191. 
6 Udolph, Jürgen: „Baltisches in Niedersachsen?“ (wie Anm. 5). 
Das gilt selbstverständlich nicht für Hydronyme generell, denn zahlreiche Mühlen¬ 
bäche oder Weißwasser sind jungen oder jüngsten Datums. Gemeint sind die der 
alteuropäischen Hydronymie angehörenden bzw. einer sehr alten (einzelsprach¬ 
lichen) Schicht zuzurechnenden Gewässernamen. 
K Udolph: „Baltisches in Niedersachsen?“ (wie Anm. 5), S. 505. 
9 Ohainski, Uwe / Udolph, Jürgen: Die Ortsnamen des Landkreises und der Stadt 
Hannover (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der 
Universität Göttingen 37), Bielefeld 1998 [= NOB I]; Ohainski, Uwe / Udolph, 
Jürgen: Die Ortsnamen des Landkreises Osterode am Harz (Veröffentlichungen des 
Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen 40), Bielefeld 
2000 [= NOB II]; Casemir, Kirstin: Die Ortsnamen des Landkreises Wolfenbüttel 
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