Full text: Interferenz-Onomastik

Studien zur altkeltischen Onomastik im Allgemeinen haben schon seit der 
Zeit von Alfred Theophil Holder (ACS: 1896-1913) eine große Tradition (z.B. 
KGPN, GPN, DAG, auch DLG). An aktuellen Arbeiten seien noch kurz die 
von Karin Stüber (2004) zu den gallischen Frauennamen und zum Thema 
Schmied angeführt sowie die von Wolfgang Meid (2005) durchgeführten 
Untersuchungen zu den keltischen Personennamen in Pannonien. Vor kurzem 
haben Marilynne Raybould und Patrick Sims-Williams (2007) zwei wichtige 
Beiträge zu den keltischen Personennamen im Allgemeinen vorgelegt. 
2.2. Probleme der Interferenzonomastik 
Einerseits passt die Interferenzonomastik konzeptuell gut in die aktuelle Dis¬ 
kussion um .Romanisierung4 und ,Ethnogenese‘-Prozesse und kann von einem 
Gedankenaustausch profitieren. Andererseits gibt es einige Probleme, die bis 
heute nicht zufrieden stellend gelöst sind. Erstens gibt es keine einheitliche 
Terminologie. Wo wir gegenwärtig von Interferenznamen sprechen, verwen¬ 
dete Weisgerber den Begriff Decknamen, der leicht falsche Assoziationen 
weckt. Die belgischen und französischen Kollegen benutzen den Terminus 
noms d'apparence latine ,Namen lateinischer Erscheinungsform1, der aber 
eine Seite der Interferenz unbenannt lässt und somit polarisiert. Das Schwan¬ 
ken in der Begrifflichkeit hat aber auch mit dem zweiten Problem zu tun, dem 
nämlich, ob die Namen überhaupt als bikulturell ,lesbar1 gedacht waren oder 
ob sie ihre Verwendung lediglich dem Umstand zu verdanken haben, dass ein 
einflussreicher Römer Pate gestanden hat, oder dass einfache Lautfolgen 
unabhängig voneinander eine besondere Häufigkeit in Personennamen erreicht 
haben. Eine absichtliche Bezugnahme auf mehrere onymische Systeme muss 
zumindest in Einzelfällen nachgewiesen werden können, zumal wenn eine 
Kultur als (überwiegend) ,nehmender1 Partner angesehen wird und die andere 
als,Leitkultur4, als (überwiegend),gebender4 Teil. 
Ich möchte diese Problematik am Beispiel des Beinamens Cato illustrieren. 
Etymologisch gesehen handelt es sich bei diesem individualisierenden n- 
Stamm um eine Ableitung von catus scharfsinnig4. Das Wort ist nicht genuin 
lateinisch, ist aber früh in Rom heimisch geworden. Der Grammatiker Varro 
(V 99) nennt lateinisch sagäx und aeütus scharfsinnig4 als Entsprechungen. 
Die Familie der Porcii benutzte das cognomen regelmäßig zur Unterscheidung 
zwischen den Zweigen der Catones und der Licinii. Cato dürfte also schon 
früh zu einem reinen Onym geworden sein. Es ist aber nicht auszuschließen, 
dass man sich grundsätzlich der Bedeutung noch bewusst war (vgl. Plutarch, 
Cato Maior 1,3 zu Marcus Porcius Cato d.Ä.). 
Auch wenn der Name im heutigen Südfrankreich auftritt, ist nicht damit zu 
rechnen, dass er wörtlich verstanden wurde und jemanden als besonders 
scharfsinnig4 hervorheben sollte. Man hat daran gedacht, dass römische 
Catones aufgrund ihrer hohen politischen und gesellschaftlichen Stellung als 
Namenspatron gewählt wurden. Stephen Dyson (1980/81) hat so beispiels¬ 
weise versucht, die weite Verbreitung der Gentilnamen Iunius und Pompeius 
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