Full text: Interferenz-Onomastik

Büsserach, Schämel(ler) in Meltingen, Schemel und Schemelhof in Beinwil, 
Schemel und Schemelloch in Erschwil, Schemelacker und mit nachträglicher 
Umdeutung Schimmel, Schimmelhag in Breitenbach, Schimmel, Schimmel- 
bergli in Fehren und Schomel sowohl in Bärschwil als auch in Nuglar, zögern 
wir nicht, den Namen der beiden Höfe Antäglen mit anticula in Verbindung 
zu bringen und dieses als ,Schemelchenl zu deuten. Dabei ist von einer gallo- 
romanischen Form *antigla auszugehen, deren kurzes /i/ schon vor der Über¬ 
nahme ins Deutsche lautgesetzlich zu /e/ gesenkt wurde.72 Im Deutschen 
wurde dann nur noch der Akzent auf die erste Silbe verschoben. Die beiden 
Höfe Antäglen, die auf einem Geländeabsatz liegen, heißen also nach ihrer 
Lage, und ihre Geschichte reicht in vordeutsche Zeit zurück. 
Die Nunninger Ausbeute ist zwar nicht sehr groß, aber aussagekräftig. Das 
romanische Element war vorhanden und hat sich in einiger Entfernung vom 
Dorfkem so lange gehalten, dass es noch seine Namen tradieren konnte. Die 
Zweite Lautverschiebung ist nur in ihrer letzten Phase, der ins 8. Jahrhundert 
datierten [k]>[x]-Verschiebung, in mutmaßlichen Lehnappellativen greifbar. 
Den lautverschobenen Namen wie Chalm, Chastelhach und Chlus stehen die 
unverschobenen Freisne(ch)t, Portißue und Antäglen ' gegenüber, die eine 
recht lang dauernde romanische Präsenz beweisen. 
3. Ergebnis 
Ich fürchte, dass ich meinem Auftrag, die Romania Basiliensis darzustellen, 
nicht ganz gerecht geworden bin. Ich habe mich fast ganz auf den schweizeri¬ 
schen Anteil der Regio beschränkt und den Schwarzwald und das Eisass mit 
Ausnahme des Sundgaus ausgeklammert. Aber auch das reduzierte Gebiet ließ 
sich nur in einem Überflug behandeln. Ich hoffe jedoch, es sei deutlich 
geworden, dass es vor allem die Flurnamen sind, die das lang dauernde 
Nebeneinander von Alemannen und Romanen dokumentieren und Zeugnis für 
den dörflichen Frieden im Hochmittelalter ablegen und dass sich die For¬ 
schung in Zukunft vermehrt auf diesen Aspekt wird konzentrieren müssen. 
Auflösung der Quellenkürzel: 
Beinwil Flurbesprechung 
Basel-Landschaft, Staatsarchiv, Berein 
Landeskarte der Schweiz, Blatt 1087, 1982 
Meltingen, Flurbegehung 
Bein Flurbespr 
BLStA, Ber 
LK 1087 
Melt Flurbeg 
72 Nach Müller, Wulf: „Turegum = Zürich“, in: Nouvelle Revue d’Onomastique 47/48 
(2007) S. 22 lf. 
Bei früherer Eindeutschung würden sie wohl *Freisnetz, *Pforziflue und 
* Anzäch len lauten. 
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