Full text: Interferenz-Onomastik

im Lichte der Toponymie. John INSLEY, ebenfalls Anglist (GB, Edinburgh / 
D, Heidelberg) untersucht morphologische und phonologische Interferenz- 
Aspekte skandinavischer Namen in England. 
Den romanisch-germanischen Interferenzbeziehungen sind die slawisch¬ 
germanischen in ihrer Dimension und Bedeutung durchaus zu vergleichen. So 
nehmen sie auch einen großen Raum in diesem Band ein. Älteste Interferenz¬ 
beziehungen enthalten bereits die sog. ,alteuropäischen’ Flussnamen, die von 
der iberischen Halbinsel bis zum Baltikum, bis zur Ukraine und in den Balkan 
reichen. Der Indogermanist Jürgen Udolph (Leipzig) betrachtet ,Baltisches’ 
und ,Slavisches’ in norddeutschen Ortsnamen unter dem Gesichtspunkt, wel¬ 
che Folgerungen aus der Einbeziehung dieser osteuropäischen Sprachen für 
die sprachliche Vor- und Frühgeschichte Norddeutschlands gezogen werden 
können. Slawisch-deutsche Interferenzen ergeben sich vor allem, seitdem sla¬ 
wische gentes die Räume zwischen Oder, Elbe und Main besiedelten und um¬ 
gekehrt fränkische und später deutsche Siedlung seit dem 8-/9. Jahrhundert, 
vor allem aber seit dem Hochmittelalter in diese slawischen Gebiete vordrang. 
Damit beschäftigt sich für den Süden der Slawist Wolfgang Janka mit einem 
Referat „zur lautlichen und strukturellen Integration von slavischen Orts- und 
Personennamen in Nordbayern“. Anschließend untersucht für den thüringisch¬ 
sächsischen Raum der Slawist Karlheinz HENGST (Leipzig) „sprachliche 
Zeugnisse aus dem mittelalterlichen deutsch-slawischen Kontaktraum zwi¬ 
schen Saale und Mulde“. Mit den Augen des Historikers betrachtet Matthias 
SPRINGER (Magdeburg) offensichtliche germanisch-slawisch-romanische In¬ 
terferenzen in Urkunden des 10. Jahrhunderts, die sich zum Teil aus der 
romanischen Herkunft ottonischer Königskanzlisten erklären. Sinnvollerweise 
wird dieser Teil des Bandes abgeschlossen und an die vorhergehenden Teile 
angebunden durch die grundsätzlichen und wissenschaftsgeschichtlich gerich¬ 
teten Reflexionen des Slawisten Ernst Eichler (Leipzig) zu Wegen der 
Interferenz-Onomastik in der Germania Slavica und Germania Romana. 
Der Gliederung des Kolloquiums folgend stehen am Ende des Bandes klei¬ 
nere Berichte und Beiträge zu neueren Forschungen und Projekten zu Ein¬ 
zelproblemen, die sich auf die großen Abteilungen der Tagung zurückbezie¬ 
hen, aber auch neue Aspekte in die Diskussion einbringen: Sie behandeln u.a. 
keltisch-romanisch-germanischen Sprachkontakt am Rhein am Beispiel der 
Namen der Matronen-Gottheiten (Martin Hannes Graf, CH, Zürich); Interfe- 
renzgraphematik in langobardischen Personennamen am Beispiel der Rezep¬ 
tion von germ. /w/ (Maria VÖLLONO, I, Napoli / D, Saarbrücken); semantische 
Parallelentwicklungen zwischen germanischer und romanischer Personenna¬ 
mengebung anhand der auf die ,kriegerischen’ Tiere Wolf und Bär, lupus und 
ursus, bezogenen Namen (Christa JOCHUM-GODGLÜCK, Saarbrücken); Be¬ 
zeichnungen für Romanen im bairisch-tirolischen Raum, insbesondere 
Walchen-Namen als Spiegel von Politik und Raumorganisation in römischer 
und frühmittelalterlicher Zeit (Irmtraut HEITMEIER, München); „galloroma- 
nische Lehn- und Reliktwörter in Mikrotoponymen des Saar-Mosel-Raums“ 
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