Full text: Interferenz-Onomastik

Während sich aus einem sprechlateinischen *companiönem regelhaft ein 
altfranzösischer Obliquus compaignon ergibt, warfen die Obliquusformen der 
zugehörigen Feminina auf -ain mit ihrem unerklärlichen -«-Element erheb¬ 
liche Probleme auf, denn auch ein Akkusativ Evam, Bertam, fdam, usw. hätte 
wie der zugehörige Nominativ Eva, Berta, ¡da afrz. Eve, Berte, Ide ergeben 
müssen.IN Nachdem sich einem Versuch Friedrich Diez’ und Gustav Gröbers, 
diese Formen aus der bei frankophonen Sprechern bis heute üblichen oxyto- 
nischen Aussprache des Mittellateins mit Verlagerung des Akuts auf die 
Endsilbe (Eväm, Bertam, fdam) zu erklären,14 die zahlreichen vergleichbaren 
Formen in der Italoromania widersetzten, für die sich solche Gewohnheiten 
nicht nach weisen lassen,* 20 wurde der 1867 von Jules Quicherat21 formulierte 
Vorschlag, dieses Paradigma als superstratbedingt zu erklären, nur allzu gern 
aufgenommen. In einer Arbeit, die in Frankreich bis heute als das erste Lehr¬ 
buch wissenschaftlicher Onomastik gilt,22 23 führt Quicherat aus, das romanische 
Flexionsmuster sei per analogiam aus den zahlreichen schwach flektierenden 
germanischen Personennamen generiert worden, für die man im Romanischen 
keine Vorbilder mehr hatte, da ein entsprechender lateinischer Namentyp 
(CatölCatönis, Varrö/Varrönis, Nerö/Nerönis, usw.)22 im Frühmittelalter 
längst außer Gebrauch gewesen sei.24 Die germanischen Kurznamen auf -o 
ls Wolf/Hupka: Altfranzösisch (wie Anm. 15), S. 97. 
19 Gröber, Gustav: Grundriss der romanischen Philologie /, Straßburg 1888, S. 657 ; 
vgl. dazu Jud, Jakob: Recherches sur la genèse et la diffusion des accusatifs en -ain 
et en -on (premièrepartie), Halle 1907, S. 5. Auch bei diesem Ansatz bleibt das -«- 
Element der Feminina unerklärt. Zur Aussprache des Mittellateins in Frankreich 
vgl. Norberg, Dag: Manuel pratique de latin médiéval, Paris 1968, S. 70f. 
Vgl. dazu ausführlich Salvioni, Carlo: „La declinazione imparisillabica in -a, -âne, 
-o, -âne, -e, -éne, -ine, -/, -ine, -éne nelle carte mediaevali d’Italia“, in: Romania 35 
(1906) S. 198-257. 
21 Vgl. Quicherat, Jules-Étienne: De la formation française des anciens noms de lieu: 
traité pratique suivi de remarques sur les noms de lieu de divers documents, Paris 
1867, S. 63f. 
22 Vgl. Mulon, Marianne: „La recherche onomastique en France“, in: Emst Eichler u.a. 
(Hg.); Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik, 1. Teilbd., 
Berlin / New York 1995, S. 148-152, hier S. 148. 
23 Eine Zusammenstellung aller lateinischen Personennamen-Bildungen auf -o, -önis 
und -io, -iönis findet sich in: Archiv für lateinische Lexikographie und Grammatik 
13 (1904) S. 225ff., S. 415ff., S. 475ff. Vgl. auch Kajanto, liro: Onomastic Studies 
in the Early Christian Inscriptions of Rome and Carthage, Helsinki 1963, S. 65 und 
besonders Fisch, Richard: Die lateinischen nomina personalia auf -o, -onis. Ein 
Beitrag zur Kenntnis des Vulgärlateins, Berlin 1890, S. 161-167. Die nach dem 
gleichen Muster gebildeten Personenbezeichnungen sind behandelt bei Gaide, 
Françoise: Les substantifs masculins latins en (i)o, (i)onis, Louvain 1988. 
*4 Dieser Tenor zieht sich durch den gesamten Forschungsbericht von Paris: „Les 
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