Full text: Forschungsaufgabe Industriekultur

unterzogene Notstandsarbeiter wird beim Bau der 
Autobahn zum Arbeitshelden.1-1 Auch in Fotos und 
Plakaten der Aktion "Schönheit der Arbeit" wird 
körperlicher Einsatz, technologisch anachronistisch 
und allein deswegen einen Bruch in der Industriefo¬ 
tografie darstellend, verklärt."5 
Ein weiterer Bruch in der Bildtradition der Industrie¬ 
fotografie nach 1933 ist die inflationäre Veröffentli¬ 
chung von Feiern und Festen im Betrieb, die nicht 
mehr eine Selbstrepräsentation aus eigener Geschich¬ 
te und Kraft darstellen, sondern den Beweis des Mit- 
tuns erbringen. Der Betrieb ist zwar noch der Raum 
Abb. 8: Autobahnbauer des Privateigentums, muss sich aber bei bestimmten 
mit Hacke Gelegenheiten öffnen. Er wird transparent im Zuge 
der auf symbolische Sozialintegration zielenden 
Kampagne um die "Schönheit der Arbeit". Der Unternehmer, der als Betriebs¬ 
führer und durch die Abschaffung der Koalitionsfreiheit privilegiert, aber gegen¬ 
über Staat und Nation verpflichtet wird, ist bei Prämienverleihungen, Betriebs¬ 
besichtigungen von Prominenten, 1. Mai-Feiern nicht mehr unbedingt die Flauptperson 
neben den massiv auftretenden Uniformträgern, falls er es nicht selbst vorzieht, 
in Uniform als Redner zu erscheinen. "Seine" Arbeiter und Angestellten werden 
zum Publikum, zur Masse, die sich in Festräumen und Werkshallen während der 
Events als Werksgemeinschaft versammelt.34 36 Nicht mehr die Subsumtion des 
arbeitenden Menschen unter die Maschinerie, sondern geglückte Integration ins 
Werk - dies ist das Anliegen einer solchen Industriefotografie, die nicht mehr 
nur das Werk von innen her und mit gezielter Intention öffnet, sondern die von 
außen her durch publizierte Fotografie transparent wird, um in erster Linie den 
Gleichklang wirtschaftlicher und politischer Bestrebungen zu erweisen. Trotz der 
propagandistischen Absicht, den Einklang von Arbeit und Arbeitsfreude zu 
präsentieren, zeigt die Personendarstellung in der "künstlerischen" Industriefoto¬ 
grafie der dreißiger Jahre jedoch auch noch einen Widerschein individualisieren¬ 
der Porträtkunst.37 
34 Vgl. Udo Pini, Liebeskult und Liebeskitsch. Erotik im Dritten Reich. München 1992, 
S. 59,61. 
35 Vgl. ebd., S. 229. 
36 Vgl. ebd., S. 58. Zum Kontext Matthias Frese, Betriebspolitik im Dritten Reich. Deut¬ 
sche Arbeitsfront, Unternehmer und Staatsbürokratie in der westdeutschen Grol3industrie 
1933-1939. Paderborn 1991, S. 114-127. 
37 Siehe etwa die Beispiele in: Das Werk: technische Lichtbildstudien, bearb. von 
Hans-Curt Köster. Königstein i. T. 2002 (ND der Ausgabe von 1931), Nr 2. 
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