Full text: Forschungsaufgabe Industriekultur

Kohle, insbesondere die Arbeit mit dem pneumatischen Abbauhammer, aber 
auch den bergmännischen Ausbau. Dies war nicht zuletzt auch den Umständen 
geschuldet, dass die Zahl der I lilfsarbeiterplätze im Untertagebetrieb begrenzt war 
und dass immer mehr deutsche Hauer zur Wehrmacht eingezogen wurden. Damit 
stellte sich das Problem der Anlernung der in aller Regel bergfremden Zwangs¬ 
arbeiter in neuer Form, ln der Anfangsphase des "Ausländereinsatzes" an der 
Ruhr hatte man dem wenig Beachtung geschenkt, weil sich zu dieser Zeit noch 
relativ viele gelernte Bergleute unter den "Fremdarbeitern" befanden und weil die 
ungelernten Ausländer so eingesetzt werden konnten, dass ihre Arbeitsleistung 
noch wenig auf die Gesamtleistung der Zechen durchschlug. In jedem Fall 
sollten die Ausländer nur das Allernotwendigste beigebracht bekommen, auch 
um so ihre Unterordnung unter die deutschen Bergleute zu manifestieren. Im 
Verlauf des so genannten "Russeneinsatzes" änderte sich dies zunehmend und 
es setzte eine Systematisierung, ja fast eine "Professionalisierung" der Aus- 
länderanlernung ein. Oft übernahmen nun bei den großen Bergwerksgesell¬ 
schaften die Ausbildungsleiter der Zechen, die wegen des großen Nachwuchs¬ 
mangels ansonsten weniger beschäftigt waren, die Anlernung der Ausländer und 
erarbeiteten entsprechende Lehrpläne. Viele Zechen richteten spezielle Lehrstrebe 
ein und schlossen die Anlernung der Ausländer mit regelrechten Prüfungen ab, 
an die sich der Einsatz im "Russenstreb" anschloss.’9 Das Ziel der Ausländeran- 
lernung, stellte der Werksdirektor der Grube Camphausen im Oktober 1943 fest, 
sei die vollständige bergmännische Ausbildung und Arbeitsleistung der unge¬ 
lernten Ausländer.59 60 Insgesamt wurde dieses Ziel auf den saarländischen Gruben 
vermutlich etwas konsequenter als an der Ruhr verfolgt. 
Damit änderte sich mancherorts die Perspektive des "Russeneinsatzes". Auf gut 
eingearbeitete "Russen" wollte man auch nach Kriegsende nicht mehr verzichten. 
Die "Russen" hätten im letzten Jahr viel gelernt, bemerkte beispielsweise ein 
Fahrsteiger des Bergwerks Dudweiler auf einer Arbeitskreissitzung, und seien als 
Naturmenschen für den Bergbau geeignet. Man solle deshalb versuchen, die 
Besten sich nach Kriegsende als tüchtige Bergleute im Saarland einleben zu 
lassen.61 Gleichermaßen forderte der "Ausländerausschuss" der Gruppe Mitte der 
Saargruben AG, mit allen Mitteln anzustreben, die Ausländer zu vollwertigen 
Bergleuten heranzuziehen, weil man auch nach Kriegsende mit ihrem weiteren 
Einsatz rechnen müsse.62 
59 Vgl. Niederschrift zur Sitzung des Arbeitskreises der Zeche Werne vom 22.7.1943 
(BBA 16/589). 
60 Vgl. Niederschrift zur Sitzung des Arbeitskreises für Leistungssteigerung der Grube 
Camphausen vom 28.10.1943 (BBA 16/591). 
61 Vgl. dazu Niederschrift des Arbeitskreises für Leistungssteigerung des Steinkohlenberg¬ 
werks Dudweiler vom 29.2.1944 (BBA 16/591). 
62 Vgl. Niederschrift über die Sitzung der Arbeitsgruppe für "Ausländereinsatz" der Gruppe 
Mitte (Westmark) am 9.9.1943 (BBA 16/600). 
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