Full text: Forschungsaufgabe Industriekultur (37)

entstanden Verzögerungen bei Investitionen von bis zu zwei Jahren. Ein wei¬ 
teres Hemmnis der Investitionen ergab sich durch die Regelung, dass alle In¬ 
vestitionen "über 3.000 Mark" (!) etatisiert werden mussten.53 
Neben diesen aus den Haushaltsregein erwachsenen Verzögerungen lähmte der 
durch die Etatisierung hervorgerufene umständliche Behördenweg die Berg¬ 
beamten. die dadurch langfristig zum Dienst nach Vorschrift erzogen wurden, 
was der Oberberghauptmann Althans rückblickend 1919 konstatierte: "Es ist ja 
richtig, daß in der Notwendigkeit, für jedes Werk einen Etat aufzustellen, eine 
große Schwierigkeit für den ganzen Betrieb liegt, denn man muß sich über das, 
was im nächsten Jahr an Mitteln notwendig wird, schon ungefähr ein Jahr 
vorher schlüssig werden. Der Etat wird in der Regel in dem Sommer aufgestellt, 
der dem Jahre, in dem die Ausgaben erfolgen sollen, vorausgeht." Zwar sei es 
möglich, eine Ausgabe außerhalb des Etats bewilligt zu bekommen, dies bringe 
aber eine zusätzliche Erschwernis, weil man dem Parlament darüber berichten 
müsse: "Man scheut sich darum oft, solche Bauten auszuführen und wartet lieber 
ein Jahr bis zum neuen Etat. Das dient nicht immer zum besten des Betriebes."54 
Auch über die Investitionsplanungen äußerte sich Althans wegen der vielen 
Schreibarbeiten und der gegenüber den Privatunternehmen geringen Disposi¬ 
tionsmöglichkeiten negativ: "Anders ist es bei den Staatswerken. Da ist zu¬ 
nächst das Ministerium maßgebend. Wegen aller möglichen Dinge muß das 
Ministerium unterrichtet werden, schon damit es auf dem Laufenden ist. Es muß 
wegen aller möglichen Dinge angefragt werden. Vielfach muß auch das Finanz¬ 
ministerium mit herangezogen werden. Das hat sich in vielen Sachen die Geneh¬ 
migung Vorbehalten, so daß dadurch auch wieder eine größere Erschwerung 
und Verzögerung der Geschäfte hervorgerufen ist.""" Dieses galt bei größeren 
Investitionen dann auch für die gesamte Bergmannschaft. So äußerte sich bei¬ 
spielsweise Oberberghauptmann von Velsen zum Kauf der Privatkokerei Sambre 
et Mosel bei der Grube Dechen 1903 wie folgt: "Der Herr Oberberghauptmann 
gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß ein Ankauf ohne Mitwirkung des 
Finanzministeriums und ohne Etatierung der erforderlichen Kaufgelder nicht 
durchzufuhren sei, ein Antrag auf Bewilligung von Mitteln für den Erwerb habe 
erst dann Aussicht auf Erfolg, wenn sich die Wirkung des Ankaufes der Hei- 
nitzer Koksanlage übersehen lasse."56 
angeht?" Verhandlungen (Anm. 44), S. 87. 
53 Verhandlungen (Anm. 44), S. 87. 
54 Verhandlungen (Anm. 44), S. 70. 
55 Verhandlungen (Anm. 44), S. 43 und 70. An gleicher Stelle auf Seite 347 findet sich die 
Bestätigung der Althanschen Einschätzung durch von Velsen, der meinte, dass das Problem 
der Kontrolle durch den Landtag, die Oberrechnungskammer usw. viel Arbeit und Intel¬ 
ligenz in Anspruch nähme. Vgl. die Meinung in der Denkschrift von 1910 über die Zukunft 
des staatlichen Saarbergbaus (LAS 564 Nr. 64): "[...] sowie dadurch, daß der Ausbau der 
Anlagen durch die Schwerfälligkeit der preußischen Etatgesetzgebung, wonach jeder 
einzelne kleine Bau der Genehmigung des Landtages unterliegt, gehemmt ist." 
56 LAS 564 Nr. 537. 
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