Full text: Grenzkultur - Mischkultur?

Die berühmteste und bis in die frühe Neuzeit verbreitetste aller Reise¬ 
beschreibungen, der in seinem zweiten Teil ins Fiktionale und Phantastische 
abgleitende Reisebericht über den Nahen Osten, die muslimische Welt, Afrika, 
Indien, das Paradies und das Tal der Teufel des Engländers Jean de Mandeville, 
der sich in Lüttich niedergelassen hatte, wo er 1372 verstarb, wurde aus der 
französischen Lütticher Version und einer lateinischen Übersetzung von dem 
1369 bis zu seinem Tode 1398 in Metz als Domherr (canonicus) bezeugten Otto 
von Diemeringen aus einem im oberen Saargau beheimateten Ministerialen¬ 
geschlecht ins Deutsche übertragen - mit einem riesigen Erfolg, wie 38 
Handschriften und 5 Frühdrucke - Basel 1480/81 und Straßburg zwischen 1483 
und 1499 - bezeugen.18 
Beziehungen zwischen dem Hochadel des östlichen und nördlichen germano- 
phonen, aber in dieser sozialen Sphäre sicherlich zweisprachigen Vorland und 
Metz sind bezeugt, möglicherweise aber noch nicht vollständig gesammelt. Ein 
schönes Beispiel für die Wirkung des Metzer Kulturlebens, in dem auch die 
Musik, das Lied, der Tanz eine große Rolle spielten, auf deutsche Adlige ist im 
15. Jahrhundert Elisabeth von Görlitz (um 1385-1451), in zweiter Ehe mit 
Herzog Johann von Bayern verheiratet, aus dem Luxemburger Grafenhaus,19 
der der Metzer Patrizier Jacques d’Esch in seiner Chronik einen eigenen 
Abschnitt widmete.20 Sie unterhielt sehr enge Beziehungen zu Metz, hatte sich 
dort angekauft, um an Lustbarkeiten teilnehmen zu können - qu’elle dansoit 
tres volantier - und blieb etwa zwei bis drei Monate im Jahr in Metz.21 
275ff., besonders v. 1768f. Vgl. Haubrichs (wie Anm. 3), S. 244. 
18 Bremer, Emst: „Jean de Mandeville“, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters, 
Verfasserlexikon, 2. Aufl., Bd. 5 (1985), Sp. 1201-1214, hier Sp. 1209f.; Ridder, Klaus: 
Jean de Mandevilles ,Reisen'. Studien zur Überlieferungsgeschichte der deutschen 
Übersetzung des Otto von Diemeringen, München 1991; Bremer, Emst / Ridder, Klaus 
(Hgg.): Jean de Mandeville, Reisen, übers, von Otto von Diemeringen u. Michel Velser. 
Reprint der Ausgaben Augsburg 1480 und Basel 1480/81. 
19 Zu Elisabeth von Görlitz vgl. Petit, R.: „Elisabeth v. Görlitz“, in: Lexikon des Mittelalters, 
Bd. 3 (1986), Sp. 1835f. [Lit.]. Vgl. ferner Lyna, Frédéric: „Elisabeth de Görlitz et les 
,Heures de Turin et de Müan‘“, in: Scriptorium 15 (1961), S. 121-125. 
20 Wolfram (wie Anm. 11), S. LXXIf, S. 344ff. Noch am Ende des Jahrhunderts war Metz 
berühmt für seine Feste. Man baute das den Artushöfen und Gesellschaftshäusem des 
Patriziats in den Reichsstädten vergleichbare Hôtel de Passe-Temps: „Les festivités dont 
le nouvel hôtel était un centre, les visites triomphales de Maximilien, les tournois, les 
danses, les amusements des jeunes patriciens, tout cela était une façade brillante qui 
cachait ... le désarroi croissant“. Vgl. Parisse (wie Anm. 11), S. 234; ferner o. Anm. 10. 
21 Später lebte Elisabeth von Görlitz als Witwe (nach 1441) in Trier, in enger Bindung zum 
dortigen Franziskanerkloster, in dessen Kirche sie (mit einem aufwendigen Grabmal 
bedacht) begraben liegt. Vgl. Schmid, Wolfgang / Schmid, Gabriele: „Elisabeth von 
Görlitz (t 1451). Letzte Lebensjahre, Nachlaßregelung und Grabdenkmal einer Herzogin 
von Luxemburg in Trier“, in: Embach, Michael (Hg.): Kontinuität und Wandel. 750 Jahre 
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