Full text: Grenzkultur - Mischkultur?

und Miteinander direkter und indirekter Herrschaft, indem Rom ein Glacis 
befreundeter Staaten, Städte und Stämme4 mit einem Netz militärischer 
Anlagen und Straßen entlang der Provinzgrenzen verband.5 Diesen abhängigen 
Staaten oblagen Ordnungs- und Sicherungsmaßnahmen im Vorfeld des 
Imperium Romanum; im Kriegsfälle ergänzten ihre Aufgebote das römische 
Heer um spezialisierte Einheiten (Reiterei, Bogenschützen, Schleuderer). Rom 
war so zwar in der Lage, die politische und militärische Entwicklung der 
abhängigen Gebiete zu bestimmen, vermochte allerdings nicht, eine umfassende 
Romanisierung wie in den westlichen Gebieten zu erreichen. 
Das Griechische bestimmte weiterhin vor allem in den Städten mit ihrer 
gemischten Bevölkerung neben dem Aramäischen den nahöstlichen Raum.6 
Ferner war die griechische Sprache Ausweis der Gebildeten, die sich als Teil 
eines umfassenden Kulturkreises begriffen. Das Lateinische hingegen konnte 
nur im Bereich des Rechtes und des Militärs Fuß fassen;7 beides wichtige 
Herrschaftsinstrumente, aber ungeeignet, die Kultur des Ostens tiefgreifend zu 
verändern. Ein staatliches Eingreifen oder gar einen Zwang hinsichtlich der 
Verbreitung des Lateinischen bzw. einer Zurückdrängung des Griechischen hat 
es in der Kaiserzeit nicht gegeben. Die Römer hatten sich längst hellenistischen 
Einflüssen geöffnet, und in der Führungsschicht war die Erkenntnis gereift, daß 
ihr die Aufgabe zugewachsen war, den griechisch-römischen Kulturkreis zu 
erweitern.8 
Die militärischen Erfolge Alexanders d. Gr., Entdeckungsreisen und die 
Arbeiten hellenistischer Geographen hatten zur Erweiterung des antiken 
Weltbildes beigetragen.9 Die römische Expansion hatte das Imperium im 
Norden, Westen und Süden bis an die Grenzen der bekannten Welt vorstoßen 
lassen, der orbis terrarum war zum orbis Romanus geworden. Damit war die 
durch Iuppiter gegebene Verheißung der Weltherrschaft erfüllt.10 Rom hatte 
die oikumene unter seinem Befehl versammelt. Allein die barbarischen 
Nationen standen außerhalb, so daß die politischen Grenzen des Römischen 
4 Zu den von Rom abhängigen arabischen Staaten Shahld 1984; Funke 1996. 
5 Zum orientalischen Limes allgemein Wagner 1985. Der Begriff limes bezeichnet keine 
durch ein Wall-Graben-System befestigte Grenzlinie, sondern von seinem gromatischen 
Ursprung her den Grenzweg, dessen Charakter somit eher erschließend als trennend ist; 
hierzu Mommsen 1908; Isaac 1998b. 
6 Zur Urbanisierung Jones 1966; Jones 1971; Woolf 1997; zu den Sprachverhältnissen 
Schmitt 1980; Zgusta 1980. 
7 Schmitt 1983, S. 562f. 
8 Den Einfluß, den die hellenistische Kultur auf die führenden Kreise Roms ausgeübt hat, 
stellt Ferrary 1988 im Zusammenhang mit dem römischen Imperialismus dar. 
9 Nicolet 1988; Romm 1992. 
Verg. Aen. l,278f.: his ego nec metas rerum nec tempora pono: imperium sine fine dedi 
und 6,851: tu regere imperio populos, Romane, memento - Mehl 1994. 
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