Full text: Grenzkultur - Mischkultur?

diese Familie also in den luxemburgischen Raum, so daß man auch die schon 
gelegentlich aufgefallene Tatsache, daß die Herren von Bolchen in ihrer 
Beurkundungspraxis zunächst eine sehr deutliche Präferenz für das Französische 
an den Tag legten, mit einer Vorbildorientierung auf den seit dem 
Dynastenwechsel auf das Haus Namur im beginnenden 12. Jahrhundert ganz 
frankophonen Luxemburger Grafenhof96 erklärt hat.97 Freilich stellen sich die 
Verhältnisse für viele andere Familien der Sprachgrenzregion, etwa die Herren 
von Flörchingen,98 Morsberg,99 Rollingen,100 oder Dorsweder,101 nicht sehr 
viel anders dar; auch bei ihnen lassen sich für den fraglichen Zeitraum neben 
lateinischen recht viele französische, aber kaum deutsche Urkundenausferti¬ 
gungen feststellen, bevor alle diese Familien dann etwa ab 1330/40 sukzessive 
zum Deutschen übergehen, das sich erst gegen Ende des Jahrhunderts wirklich 
durchsetzt. Da bei den kleineren Adelsgeschlechtern der Region im aus¬ 
gehenden 13. und beginnenden 14. Jahrhundert mit dem Vorhandensein einer 
behördenmäßig organisierten Kanzlei noch nicht gerechnet werden kann102 und 
96 Vgl. Reichert: Jn lingua guallica", bes. S. 412ff. 
97 Vgl. z.B. Karpf: „Sprachgrenze“, S. 183, Anm. 72: „Der luxemburgischen Praxis haben 
sich offensichtlich auch die dorthin orientierten Herren von Boulay/Bolchen 
an geschlossen“. 
98 Zu dieser Familie z.B. Parisse: Noblesse et chevalerie, S. 394. Die älteste altfranzösische 
Urkunde eines Herrn von Florange und Ennery datiert schon von 1236 (AD Mos H 
2377-1, vgl. Pitz: „Originalurkunden“ Nr. 61). Sieht man von verschiedenen von Philipp 
von Flörchingen in seiner Funktion als Metzer Bischof ausgestellten Stücken ab, so sind 
weitere altfranzösische Stücke dieser Familie freilich erst seit 1287 (AD Mos B 2387) 
bekannt. Zahlreiche deutsche Stücke folgen ab 1370 (AN Lux A 52 Nr. 590). 
99 Vgl. zu ihnen z.B. Parisse: Noblesse et chevalerie, S.265. Die ältesten altfranzösischen 
Urkunden datieren von 1255 und 1265 (Pitz: „Originalurkunden“ Nrr. 180, 253); 
lateinische Stücke sind in dieser Familie schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts 
selten (AD Meuse 4 H 102-14; AD Mos H 376-8); die erste deutsche Urkunde datiert 
von 1345 (AN Lux A 52 Nr. 314). 
100 Originalüberlieferung erst seit dem 14. Jahrhundert; vor 1350 sind sechs französische 
(AD MM B 653 Nr. 9 a. 1337; BN Paris CL 83 Nr. 11 a. 1337; AN Lux A 52 Nr. 301 a. 
1343; AD MM G 929 a. 1344; AD Mos B 2342 Nr. 1344; AD Mos J 5740 a. 1350) und 
eine deutsche (AD Mos J 5740) Originalurkunde bekannt. 
101 Vgl. Parisse: Noblesse et chevalerie, S. 366. Lateinische Originale seit 1293 (AD MM G 
497 a. 1293; AD MM G 928 a. 1294; LHA Ko 218/134 a. 1309); französische Stücke 
seit 1300 (AD MM B 566 Nr. 35 a. 1300; AD MM B 565 Nr. 23 a. 1312; AD MM B 
565 Nr. 24 a. 1322, usw.). Die ältesten original erhaltenen deutschen Stücke datieren von 
1320 (AD MM H 3223), 1337 (AD MM B 690 Nr. 194) und 1338 (AD MM B 692 Nr. 
5). 
102 vgL Hermann: „Volkssprache“, S. 132f.: „Bei den einzelnen hier begüterten 
Grafenhäusem wird man im 13. Jahrhundert, abgesehen von den Grafen von Luxemburg 
und vielleicht von den Grafen von Saarbrücken-Commercy, noch nicht von einer 
kanzleiähnlichen Erledigung der anfallenden Schreibarbeiten sprechen können“. 
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