Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich (34)

3.3. Regierungsziele 
Vier Grundlinien sehe ich in Elisabeths Regentschaft, die ich als ihre Regierungsziele an¬ 
sprechen möchte: 
1) den territorialen Besitzstand zu sichern, 
2) die auf Stärkung der Landesherrschaft ausgerichtete Politik ihres Gatten fortzuführen, 
3) Neutralität zu wahren in dem konfliktträchtigen Umfeld sich überschneidender poli- 
dsch-territorialer Interessen und wechselnder Bündnisse, 
4) eine Überschuldung zu verhindern. 
3.3.1. Wahrung des territorialen Besitzstandes 
Zahlreiche Urkunden und Briefe belegen, wie Elisabeth darauf bedacht war, ihren Söhnen 
das väterliche Erbe zu erhalten und allen Versuchen einer Schmälerung entgegenzutreten. 
Ein beachtlicher Erfolg gelang ihr mit dem Rückkauf des Erbes von Graf Philipps Toch¬ 
ter aus erster Ehe. Sie hatte bei einer Erbeinigung vom 30. November 1429 drei Viertel an 
den Herrschaften Dannenfels, Kirchheim und Stauf und den Anteilen an Altenbaumburg, 
Wöllstein und Frankenstein erhalten93 96. Im Juni 1431 kaufte Elisabeth all dies zurück für 
26.000 fl. mit Genehmigung König Sigmunds und des Bischofs von Worms als Lehns¬ 
herrn97. 
Problematisch gestaltete sich die Aufrechterhaltung der nassau-saarbrückischen Rechte in 
der Reichsromania oder, wie es im Sprachgebrauch der Saarbrücker Verwaltung hieß, en 
roman pays. Als Erbe der Grafen von Saarbrücken-Commercy waren die kleine Herrschaft 
Morley und Anteile an Burg, Stadt und Herrschaft Commercy 1381 an das Haus Nassau 
gefallen. Mitherr in Commercy war Robert von Saarbrücken-Commercy, ein außerordent¬ 
lich streitbarer Zeitgenosse, dessen Konflikte mit wechselnden Gegnern stets die Gefahr 
der Schädigung nassau-saarbrückischer Leute, Güter und Rechte in „welschen Landen“ 
heraufbeschworen98. Schon ihr Gatte hatte sich in den frühen 1420er Jahren mit dem Ge¬ 
93 Lehensrevers vom 18.02.1432 über Burg und Vorburg Saarbrücken, die Vogtei St.Nabor, eine von der 
Herrschaft Pierrefort herrührende Jahrgülte von 10 Mud Salz auf die Salinen des Hochstiftes Metz und 
eine Jahrgülte von 15 Schilling Metzer Pfg. auf das Dirminger Tal und von Commercy das, was sie zu 
Recht vom Hochstift Metz empfangen soll (LA SB Best. N-Sbr.II Nr. 1479 u. 6273, AD Moselle B 
2345). 
94 Die Belehnung wird erwähnt in Schreiben an Herzog René vom 31.05.1431 mit Bezug auf Morley 
(HHStA Wiesbaden Abt. 130 III B 5 Lothr. Nr. 1 fol. 2), an ihren Bruder Anton vom 20.01.1432 (Vars- 
berg-Korrespondenz Nr. 3) u. an die lothringischen Räte vom 13.08.1435 (LA SB Best. N-Sbr.II Nr. 
216). 
95 Vgl. Anm. 79 u. 80. 
96 Mötsch (wie Anm. 39), S. 123. 
97 HHStA Wiesbaden Abt. 150 Nr. 599. 
98 Robert von Saarbrücken-Commercy wird in der Arbeit von François-Vivès (wie Anm. 34) nicht behan¬ 
delt, es ist daher zurückzugreifen auf Dumont,C.-E.: Histoire de la Ville et des Seigneurs de Commercy, Tome 
Ier, Bar-le-Duc 1843, S. 209-271. Robert steht im Mittelpunkt einer ungedruckt gebliebenen Thèse de 
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