Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

und verfolgten Gattin kreisende ,Königstochter aus Frankreich4 des Hans von Bühel (um 
1400)25. 
Viele der Handschriften, unter anderem die drei der durch den Sohn Elisabeths, den Gra¬ 
fen Johann III. unternommenen Edition, sind mehr oder weniger aufwendig illustriert. 
Auch hier ging in der Erforschung kaum zufällig der ,Huge Scheppel4 voran25 26. Inzwischen 
gelang für den ,Herpin4 der Nachweis, daß die prächtige Heidelberger Handschrift der 
Margarethe von Savoyen (JO 479) aus einer intensiv für diese Fürstin in den siebziger Jah¬ 
ren des 15. Jahrhunderts arbeitenden schwäbischen Werkstatt, der sog. Ludwig Hennfflin- 
Werkstatt, stammt27. Für den Berliner ,Herpin4 arbeitete ein auch durch weitere Zeichnun¬ 
gen und ein Altargemälde bekannter, bisher anonymer Künstler des mittelrheinischen 
Raumes28, der anscheinend auch für Nürnberger Patriziatsfamilien gearbeitet hat. Begon¬ 
nen haben inzwischen auch ikonographische Analysen29; dennoch befindet sich die Erfor¬ 
schung der reichhaltigen Illustrationen der Elisabeth-Handschriften und ihres Umkreises, 
von der noch manche Einsichten zu erhoffen sind, ganz in den Anfängen. 
Gelegentlich sind in letzter Zeit Zweifel an der Autorschaft Elisabeths aufgetaucht, vor al¬ 
lem von Seiten der Geschichtswissenschaft30. Eine Dame ihres Standes habe nach höfi- 
25 Gerdes, Udo: „Hans von Bühel“, in: Verfasserlexikon (wie Anm. 1), 2. Aufl., Bd. 3 (1981), Sp. 443-449; 
Andreas Unterforstgruber: „Literarische Tradition und Zeitgeschichte: ,Die Königstochter aus Frank¬ 
reich als Propagandadichtung, in: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft 4 (1986/87), S. 103-116; 
Schanze, Frieder: „Hans von Bühel ,Die Königstochter von Frankreich'. Struktur, Überlieferung, Rezep¬ 
tion. Mit einem buchgeschichtlichen Anhang zu den ,Königstochter'- und ,Hug Schapler'-Drucken und 
einem Faksimile der ,Königstochter‘-Bearbeitung des Cyriacus Schnauß“, in: Haug, Walter/Wachinger, 
Burghart (Hgg.): Positionen des Romans im späten Mittelalter, Tübingen 1991, S. 233-327; Müller (wie Anm. 
10), S. 29. 
26 So schon 1905 Schmidt, Robert: in: Urtel (wie Anm. 4), S. 20ff. Vgl. ferner Müller (wie Anm. 10), S. 31 ff.; 
Klein, Hanns: „Der Maler Jost von Saarbrücken und sein Auftrag zur Ausmalung einer Kapelle in der 
Metzer Karmeliterkirche vom Jahre 1455“, in: 19. Bericht der Staatlichen Denkmalpflege im Saarland, Abt. 
Kunstdenkmalpflege (1972), S. 41-54, hier S. 46f.; Ders.: „Der Maler Jost von Saarbrücken und die mittelal¬ 
terlichen Fresken in der Köllner St. Martinskirche“, in: Eder-Stein (wie Anm. 22), S. 175-184, hier S. 178. 
Nun in diesem Band Hans-Walter Stork, S. 591-606. 
27 von Bloh 1990 (wie Anm. 10), S. 33ff. 
28 Bloh, Ute von: „Die Rationalisierung des Wunderbaren. Text und Bild der Löwenepisode in Handschrif¬ 
ten und Drucken der ,Historie vom Herzog Herpin'“, in: Chloe. Beihefte %u Daphnis 20 (1994), S. 513-542, 
hier S. 522ff. mit Verweis auf: Fedja Anzelewsky: „Eine Gruppe von Malern und Zeichnern aus Dürers 
Jugendjahren“, in: Jahrbuch der Berliner Museen 27 (1985), S. 36-59. Vgl. ferner Brandis, Tilo u. a.: Zimelien. 
Abendländische Handschriften aus den Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesif Berlin, Wiesbaden 1975, 
Nr. 99; Glan% alter Buchkunst. Mittelalterliche Handschriften der Staatsbibliothek. Preußischer KulturbesiP,? Berlin, 
Wiesbaden 1988, Nr. 89, S. 190f. 
29 von Bloh 1990 (wie Anm. 10), S. 35f£; Dies. 1995 (wie Anm. 13), S. 22ff.; Dies, (wie Anm. 13), Ab¬ 
schnitt 4; Eva Wolf in diesem Band, S. 607-624. 
30 Spies, Heinz: „Zum Gebrauch von Literatur im spätmittelalterlichen Adel“, in: Ingrid Kasten u. a. (wie 
Anm. 18), S. 85-101, besonders S. 98ff. Gerne wird man seinem Fazit zustimmen (S. 101), daß „die ade¬ 
lige Beschäftigung mit der Literatur ... angesichts der großen Anziehungskraft von Jagden, Turnieren 
und Festen auf die Hochadeligen nur als eine von vielen Ausdrucksformen des höfischen Daseins ver¬ 
standen werden“ darf. Doch wirft seine Argumentation im speziellen Falle von Elisabeth durchaus Prob¬ 
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