Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich (34)

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gem de% uwer gnaden gnedige verschriben antwert vnd hant des gn vre künde vnserjclicher sin jngesigel gu 
ende dieser sebrifftgedruckt (Nr. 5). 
Er enthält ebenfalls einen Besiegelungshinweis und wiederum als letztes das Datum. 
In vergleichbarer Weise ist auch der „offene“ Brief Antons von Vaudemont an seine 
Schwester Elisabeth verfaßt. Nach INTITULATIO und INSCRIPTIO sowie dem Anliegen 
schließt er mit der Bitte um Antwort, einem Segenswunsch und der Datumzeile. Am En¬ 
de erfolgt jedoch noch ein Nachsatz (Nr. 32). 
1.6.2.3 LlTTERAE PATENTES und LITTERAE CLAUSAE - 
der Briefwechsel mit Johann von Kerpen 
Auch der Briefwechsel mit Johann von Kerpen enthält eine Reihe „offener“ Briefe. Auf 
einen von ihnen, die Ausfertigung Johanns an Elisabeth, wurde bereits hingewiesen. Be¬ 
sonders interessant wird die Korrespondenz aber dadurch, daß LITTERAE PATENTES und 
LITTERAE CLAUSAE in ihr einander abwechseln. Dabei stellt sich die Frage, welche Gründe 
dazu geführt haben mögen, einmal diese, ein anderes mal jene Art von Brief zu benutzen. 
Um einer Antwort näher zu kommen, sollte man sich vor Augen führen, daß Briefe ihrem 
Wesen und ihrem Zweck nach subsidiäre Kommunikationsmittel darstellen - subsidiär 
deshalb, weil sie als Mittel der Fernkommunikadon unmittelbare, persönliche, d. h. münd¬ 
liche Kommunikation ersetzen. Die Briefsituation ist deshalb stets eine Situation der Fer¬ 
ne, die es zu überbrücken gilt. In diesem Sinne leitet sich der Brief von einem mündlichen 
Diskurs her, dessen spezifischer Charakter auch in der Art des Briefes zum Ausdruck 
kommen kann. Bei den LITTERAE CLAUSAE ist die mündliche Diskursform die des Dia¬ 
logs, des Gesprächs zwischen zwei Personen. Die Gesprächssituation ist dabei eine per¬ 
sönliche. Von ihr herzuleitende Briefe werden deswegen verschlossen. Den „offenen“ 
Briefen liegt dagegen auch ein „öffentlicher“ Charakter zugrunde. Die Form des mündli¬ 
chen Diskurses, von der sie herrühren, ist die Ansprache an eine Person vor einem wie 
auch immer gearteten Publikum, in erster Linie aber die Gerichtsrede. Die in der Vars¬ 
berg-Korrespondenz enthaltenen LITTERAE PATENTES werden als Mittel in rechtlichen 
Auseinandersetzungen eingesetzt, sind daher als Rechtsmittel gedacht. Diese Form 
der Konfliktführung wird in den Brieftexten mit dem Rechtsterminus beledigen bezeichnet. 
Da Johann von Kerpen den Varsberg-Konflikt unmittelbar verursacht hat, treten die 
LITTERAE PATENTES im Briefwechsel mit ihm so zahlreich auf. 
Von den hierin überlieferten Schreiben ist das erste ein Brief Johanns an Elisabeth (Nr. 9). 
Obwohl er nur als Abschrift vorliegt, ist er dem Formular nach deutlich als „offener“ 
Brief erkennbar. Er folgt darin sowohl den beiden „offenen“ Briefen an Elisabeth von 
Bar-Lothringen als auch demjenigen seines eigenen zweiten Briefes an die Gräfin von 
Nassau-Saarbrücken, von dem es eine Ausfertigung und eine Abschrift gibt. Wie es der 
ORDO INFIMUS verlangt, beginnt er in der Eröffnung mit der INSCRIPTIO, gefolgt von der 
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