Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

schroff formuliert wurde: Dine verschriben antwert°5. Danach folgt die Datumzeile, die das 
Briefende bildet. 
Die Erörterung der Teilkorrespondenzen zeigt also, daß es ein einheitliches Grundmuster 
für alle diese LITTERAE CLAUSAE gibt, das zum einen in der wiederkehrenden Abfolge 
formal gleicher Bestandteile und deren Elementen, zum anderen in der Verklammerung 
von äußerer INSCR1PTIO und innerer Anrede besteht. In Abhängigkeit vom ORDO und 
weiteren ständischen Merkmalen ist das Formular entsprechend variiert worden, ohne daß 
man dabei das Grundmuster verlassen hat. 
1.6.2.2 Die LITTERAE PATENTES 
Beim Lesen der Briefe gerät man gelegentlich an Textstellen, in denen von uffen brijfen, die 
empfangen oder versandt wurden, die Rede ist. Geht man diesen Hinweisen nach, gelangt 
man zu einer begrenzten Anzahl von Schriftstücken, die sich durch charakteristische 
Merkmale von den übrigen unterscheiden. Diese „offenen“ Briefe oder LITTERAE 
PATENTES weisen die gleichen Grundelemente wie die LITTERAE CLAUSAE auf, doch fehlt 
ihnen die Spaltung des Formulars in ein Innen und ein Außen. Deshalb bedarf es bei ih¬ 
nen auch nicht der Verklammerung dieser beiden Ebenen, da die vollständige INSCRIPTIO 
stets Bestandteil der Eröffnung des Briefes ist. Die „offenen“ Briefe stehen dadurch dem 
Urkundenformular noch etwas näher als die LITTERAE CLAUSAE, ein Eindruck, der durch 
die Besiegelung direkt unter dem Text zusätzlich verstärkt wird. 
Das erste Schreiben dieser Art, das uns innerhalb des Corpus entgegentritt, ist ein Brief 
verschiedener Personen aus der Umgebung Elisabeths an Elisabeth von Bar-Lothringen 
(Nr. 4). Sie bezeugen darin gegenüber der Herzogin, daß die Gräfin von Nassau- 
Saarbrücken sowie ihre beiden Amtleute Johann Faust von Diebach und Hans von Rit¬ 
tenhofen den Eid abgelegt und erklärt haben, daß sie an den Vorkommnissen um die 
Burg Groß-Varsberg unbeteiligt waren und daher unschuldig sind. Daher haben sie des 
vrckunde ihr ingesigel... an dissen vffen briff gedruckt. Da es sich hierbei um eine Abschrift 
handelt, wird an den äußeren Merkmalen nicht sogleich erkennbar, in welcher Form der 
ausgefertigte Brief die Herzogin erreicht hat. Diese hat jedoch den Empfang desselben 
und eines weiteren Briefes, bei dem es sich um ein gleichartiges Schreiben des Johann 
Faust von Diebach und des Hans von Rittenhofen handelt, das aber ebenso nur als Ab¬ 
schrift vorliegt (Nr. 5), bestätigt und dabei beide als „offen“ bezeichnet. 
Die Ausfertigung eines in Saarbrücken eingegangenen „offenen“ Briefes stellt dagegen ein 
Schreiben des Johann von Kerpen an Elisabeth dar105 106. Das Siegel aus grünem Wachs ist 
zwar abgefallen, doch kann man die Stelle unmittelbar unterhalb des Textes, an der es 
einst angebracht worden ist, noch gut erkennen. Dieses Schriftstück ist nur auf einer Seite 
beschrieben worden und war nicht verschlossen. Darüber hinaus enthält der vorliegende 
Bestand noch eine weitere Ausfertigung eines „offenen“ Briefes, bei dem es sich um ein 
105 Nr. 49, 79, 80. 
106 Nr. 12a, davon liegt auch eine Abschrift vor: Nr. 12b. 
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