Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

nem ist das Siegelwachs ohne weitere Vorkehrungen auf das Papier gebracht worden und 
deshalb bis auf einige Spuren vollständig abgefallen; bei dem anderen Brief hat man im 
Papier kleine Dreiecke eingeschnitten und aufgefaltet, damit das Wachs besser haften 
bleiben konnte. Solchen Briefen, von denen auch einige als Abschriften in der Edition 
enthalten sind, eignet ein anderer Rechtscharakter, der sich neben der Besiegelung auch in 
einem besonderen Formular ausdrückt. Daher wird auf sie im Zusammenhang mit der 
äußeren und inneren Form weiter unten ausführlicher eingegangen33. 
1.5 Jahresstil und Datierung 
Bei der Festlegung des Jahresbeginns kamen in den Briefen der Varsberg-Korrespondenz 
drei verschiedene Termine zur Anwendung. Am häufigsten ist der Jahreswechsel zum 25. 
März (Annunciationsstil) der unter der Bezeichnung stilus Metenses (Metzer Stil), einmal 
auch als stilus Treuirensis, in der Dammszeile angegeben wurde (Nr. 83)34. Die Saarbrücker 
Kanzlei hat ausschließlich iuxta stilum Metensem datiert, wobei die Kennzeichnung nur zwi¬ 
schen 1. Januar und 25. März erfolgte35. 
In den Briefen des Johann von Kerpen gibt es keine Angaben zum Jahresstil. Von den 
vier Briefen, die das Corpus enthält,36 liegen aber zwei vor dem 1. März und sind mit 1431 
datiert. Die zwei anderen dagegen sind nach dem 1. aber vor dem 25. März datiert und 
tragen die Jahreszahl 1432. Die Reihenfolge der Aufnahme in den Rotulus sowie der in¬ 
haltliche Bezug weisen alle vier Briefe in das Jahr 1432 nach heutiger Zählung. Daraus er¬ 
gibt sich, daß, wenn kein Fehler des Schreibers vorliegt, hier als Jahresanfang der 1. März 
angenommen wurde (vorcaesarischer oder altrömischer Jahresbeginn). 
Die Kanzlei des Herzogs von Bar-Lothringen hat sich ebenfalls des Metzer Stils bedient, 
doch war auch die Datierung nach stilus Tullensis und Verduner Stil in Gebrauch37. Bei bei¬ 
den handelt es sich um den Osterstil mit Jahreswechsel am Ostersamstag38. 
Die vier Briefe des Metzer Bischofs enthalten keine Angabe zum Jahresstil, da keiner in 
den kritischen Zeitraum zwischen 1. Januar und Ostern gefallen ist. 
Ebenso tragen die Briefe Antons von Vaudemont, wie auch alle anderen französischen 
Schreiben, keine Kennzeichnung des Jahresstils, doch ergibt sich aus dem Gesamtzu¬ 
33 Siehe das Kapitel über die litterae patentes, S. 224ff. 
34 Siehe hierzu und zum folgenden Grotefend, Hermann: Taschenbuch der Zeitrechnung, 11. verbesserte Aufla¬ 
ge, hg. von Theodor Ulrich, Hannover 1971. 
35 Sie fehlt für diesen Zeitraum nur in zwei Briefen: Nr. 4, 1432 Januar 24 sowie Nr. 6, 1432 Januar 26. Im 
Frühjahr 1437, also nach der Varsberg-Korrepondenz, begegnet auch die Formel more Metense (vgl. An¬ 
hang zum Beitrag von Herrmann in diesem Band S. 140, Stücke vom 20.02. und 02.03.1437. 
36 Nr. 9,12,22,24. 
37 Touler Stil: Nr. 8, 1432 Januar 30; Verduner Stil: Nr. 84, 1434 Januar 20. 
38 Während in den Saarbrücker Briefen immer die Formulierung iuxta stilum... verwendet wird, heißt es in 
denjenigen von Bar-Lothringen secundum stilum...., einmal ...Metensem, einmal ...T'ullensem-, in einem drit¬ 
ten steht die Formulierung nach gemhnheit des bistums Verdun. 
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