Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Sprachwissenschaftlicher Kommentar zu den Briefen Elisabeths von 
Nassau-Saarbrücken 
Albrecht Greule / Nina Janich 
Die vorliegenden Briefe der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken aus den fahren 1432-1434 
sind sprachhistorisch zwischen dem Mittelhochdeutschen und dem Frühneuhochdeut¬ 
schen anzusiedeln, da sie im Lautstand sowohl noch Züge des klassischen Mittelhoch¬ 
deutschen als auch Tendenzen zum Frühneuhochdeutschen aufweisen. Im folgenden 
werden die in den Briefen nachweisbaren sprachlichen Tendenzen und Auffälligkeiten in 
den Bereichen Phonologie, Graphie, Flexion und Wortschatz1 skizziert, die vom klassi¬ 
schen Mittelhochdeutsch abweichen und als mundartliche oder sprechsprachliche Formen 
oder als Zeichen eines Sprachwandels hin zum Frühneuhochdeutschen interpretiert wer¬ 
den können. Damit soll ein erster Schritt zu einer sprachwissenschaftlichen Verortung 
dieses Kanzleischrifttums noch unabhängig von Schreiberhänden und der Verfasserfrage 
geleistet werden. Eine differenzierte Untersuchung zum Beispiel der sprachlichen Unter¬ 
schiede zwischen Konzept und Abschrift oder zwischen den Briefen verschiedener Hän¬ 
de bleibt eingehenderen Analysen Vorbehalten2. 
1. Wortschatz-Besonderheiten 
1.1 Varianten 
Wie bei der Schreibung (vgl. 4.) sind jeweils im selben Brief lexikalische Varianten nach¬ 
weisbar, was zum einen an der Entstehungszeit und ihren beginnenden Ausgleichsten¬ 
denzen, zum anderen — möglicherweise dadurch bedingt — an unterschiedlichen dialekta¬ 
len Einflüssen liegen kann. So stehen beispielsweise kommen, swster und ^wischen neben 
quemen, suster und tuschen, was für einen oberdeutschen Einfluß spricht. 
1 Zu syntaktischen Besonderheiten wird nicht näher Stellung genommen. Weitgehend lassen sich die Er¬ 
gebnisse Helmut Eberts zur Syntax frühneuhochdeutscher Bittbriefe übertragen: „Nicht zuletzt korres¬ 
pondiert der sprachliche Aufwand (z.B. Anzahl der Sätze) mit der Größe der Bitte, ebenso hängt das 
Vorhandensein und die Beschaffenheit einer syntaktischen Tiefenstaffelung mit der Komplexität des 
vorgetragenen Sachverhalts zusammen.“ Vgl. Ebert, Helmut: „Bemerkungen zur Syntax frühneuhoch¬ 
deutscher Bittbriefe“, in: Anne Betten (Hg.): Neue Forschungen %ur historischen Syntax des Deutschen. Referate 
der Internationalen Fachkonferen^ Eichstätt 1989, Tübingen 1990 (Reihe Germanistische Linguistik 103), S. 
224-238, hier S. 236. 
2 In den objektsprachlichen Beispielen erscheinen die Kürzel aufgelöst. Alle metasprachlichen Äußerun¬ 
gen zum Sprachstand beziehen sich selbstverständlich nur auf die im Text tatsächlich vorhandenen 
Schreibweisen und zugrundeliegenden Lautungen. Da viele der zitierten Ausdrücke mehrfach und in 
verschiedenen Schreibweisen auftauchen, wurde exemplarisch jeweils (eine Schreibung ausgewählt (vgl. 
3.4 und 4.) 
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