Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich (34)

Die Quellen geben uns kaum Hinweise, wie wir uns Elisabeths Reisen vorzustellen haben, 
z.B. nach Nancy oder Vic oder Vezelise. Ihr minimales Gefolge müßte aus einem schreib¬ 
kundigen Rat, einigen Dienerinnen und Troßknechten und einer bewaffneten Eskorte be¬ 
standen haben. Die einzige bekannte Zahl, allerdings schon aus der Zeit nach der Regent¬ 
schaft, beläuft sich auf 11 Pferde292. 
Die archivalischen und archäologischen Quellen vom Aussehen der Saarbrücker Burg, in 
der Elisabeth den größten Teil ihres Lebens verbrachte, ergeben ein im Detail unvollstän¬ 
diges, insgesamt aber nüchternes Bild293. Gewiß zählte die Saarbrücker Burg nach Größe 
und Ausstattung nicht zu den Paradebeispielen spätmittelalterlicher adliger Wohnkultur, 
sondern gehörte zu jenen Bauten aus vergangenen Jahrhunderten, wie die elterliche Burg 
Vaudemont, die weiter benutzt wurden. Eigene Baumaßnahmen oder solche ihres Gatten 
Philipp sind nicht bekannt, erst ihr Sohn Johann ließ bauliche Veränderungen vornehmen, 
nicht zuletzt deshalb, weil er öfter als seine Vorfahren sich hier aufhielt. 
Ein wenig Licht auf die Hofhaltung wirft eine Auflistung über Ausgaben bei einem vier- 
■/ wöchigen Sommeraufenthalt Elisabeths, Johanns und dessen Braut in Berus im August 
eines Jahres zwischen 1451 und 1455294. Für das Ansehen der Gräfinwitwe noch rund ein 
Jahrzehnt nach Rückzug aus der Regierung spricht ihre Erwähnung an erster Stelle. Die 
notel verbucht Ausgaben zur Verpflegung (Eier, Fisch, junge Hühner, Gänse, Weizen, 
Roggenbrot und Wein), die teilweise aus Saarbrücken geliefert wurde. Die Menge der ver¬ 
ausgabten Nahrungsmittel bietet keinen Anlaß, an üppige Schmausereien zu denken. Je¬ 
weils für einige Tage hielten sich geistliche und weltliche Amtsträger aus dem näheren 
Umkreis (z.B. der Abt von Wadgassen und der Herr von Dillingen) in Berus auf und 
machten dort der gräflichen Familie ihre Aufwartung. 
Die bei Hofe getrunkenen Weine kamen vornehmlich aus dem Elsaß, auch von der 
Blies295, an deren Unterlauf bis ins 20. Jahrhundert Weinbau, zuletzt nur noch für den Ei¬ 
genbedarf, betrieben wurde. Waren eines gehobenen Anspruchs ließ Elisabeth auf den 
292 Als min gnedige fraum was %u Bucherbach umb Martini als sy qwam von Rodemachem mit 11 pferden (Bucherbacher 
Rechnung 1450 LA SB Best. N-Sbr. II Nr. 3033 S. 62 u. 79). 
293 Vgl. dazu meinen Aufsatz in Ztschr. f. d. Gesch. d. Saargegend 50 (2002). 
294 Notel über einen Aufenthalt myner gnedige fraum mit myner gnedigen jungfraumn undjungherm dem jungen in Be¬ 
rus (LA SB Best. N-Sbr.II Nr. 5834 fol. 14). Der Aufenthalt dauerte von Mittwoch nach Inventio Ste¬ 
phani (03.08) bis Dienstag nach Decollatio Johannis Baptistae (29.08), das Jahr ist nicht angegeben. Zwei 
Anhaltspunkte ergeben sich zur Datierung: die Verpfändung von Berus durch Lothringen an Nassau- 
Saarbrücken (1444) als terminus post quem und die Nennung der gnedigen jungfraumn. Da Elisabeths 
Tochter Margarethe schon 1441 vermählt worden war, kann sie nicht gemeint sein. So bleibt nur Johan¬ 
na von Loen-Heinsberg, die schon bald nach ihrer Verlobung mit dem Grafen Johann (30.11.1450) an 
den Saarbrücker Hof gekommen war [Ruppersberg (wie Anm. 9), S. 216 f.]. Dazu paßt auch die Be¬ 
zeichnung der männlichen Person (jungherm dem jungen). Einen terminus ante quem liefert Elisabeths 
Sterbedatum (17.01.1456). 
295 Weinfuhren von der Blies finden sich in den Bucherbacher Rechnungen (wie Anm. 181) u. LA SB Best. 
N-Sbr.II Nr. 2320 S. 11, 15 u. 16. 
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