Full text: Sprachenpolitik in Grenzregionen

Steffen Renner 
Versuchten die Engländer im Kampf gegen Owain 
GlyndWr die walisische Sprache zu vernichten? 
Die Eroberung der walisischen Fürstentümer durch die Anglonormannen be¬ 
gann nur wenige Jahre nach der epochemachenden Schlacht von Hastings, wohl 
schon zu Beginn des folgenden Jahrzehnts.1 3 Die neu eroberten Gebiete lagen 
außerhalb des Machtbereichs des englischen Königs. Deshalb etablierten sich 
dort Marken, die weitgehend unabhängig von der Oberherrschaft der englischen 
Monarchen bis zum Act of Union 1536 bestanden. 
Die Eroberung von Wales wurde Ende des 13. Jahrhunderts mit der Unterwer¬ 
fung der letzten unabhängigen Fürsten von Wales durch Eduard I. abge¬ 
schlossen. Die von ihm eroberten Gebiete wurden als Fürstentum Wales 1301 
dem Thronerben unterstellt. 
Die englische Herrschaft wurde durch den Bau von Burgen und die Gründung 
von Städten abgesichert: Überall in Wales lebten Engländer in Nachbarschaft 
mit Walisern. Gleichzeitig war Wales Grenzraum einer Gemeinschaft, die alle 
Inselkelten umfaßte und die sich in Abstammungsglaube, Geschichte, sozialer 
Organisation und natürlich in der Sprache deutlich von den Eroberern unter- 
schied.2 
Der Glyndwr-Aufstand, der im Spätsommer 1400 begann, war die letzte große 
bewaffnete Erhebung, mit der sich die Waliser gegen Überfremdung wehrten. 
1. Der Anführer des Aufstandes 
Owain Glyndwr war wahrscheinlich 1359 geboren worden und starb vermutlich 
1416A Väterlicherseits entstammte er dem Geschlecht des letzten Königs eines 
vereinigten Powys. Mithin konnte er Ansprüche auf dieses Gebiet geltend ma¬ 
chen.4 Das Erbe seiner Mutter vermittelte ihm anscheinend Ansprüche auf das 
1 Vgl. Davies: Conquest, S. 27 f. 
3 Vgl. Griffiths: Medieval Severnside, S. 71. 
3 Vgl. Williams: Owain Glyndwr, S. 14. - Griffiths: Lex. des MA,. Sp. 1600: gest. um 
1416. - Pierce: DWB, S. 691: 1354-1416. - Tout: DNB 21, S. 427: 1359? - 1416?. 
4 Siehe Pierce: DWB, S. 691. 
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