Full text: Sprachenpolitik in Grenzregionen

Problemkatalog deutlich um den psycho-sozialen und den kulturellen Aspekt 
erweitert. 
Mobilität gehört heute zum normalen Leben, und Ausländer stecken auch nicht 
mehr in gesellschaftlichen Nischen. Es ist aber noch nicht so weit, daß man 
Deutschland als einen multikulturellen Einwandererstaat bezeichnen könnte. 
6. Bilden gegenwärtig die Polen in Deutschland eine einheitliche Gruppe? Kann 
in bezug auf alle diejenigen, die noch Polnisch sprechen, der Sammelbegriff 
„Polonia“ verwendet werden? Um diese Frage beantworten zu können, müßte 
man unterschiedliche Kategorien der deutschen Nachkriegsstatistiken berück¬ 
sichtigen wie „Ausländer“, „Aussiedler“ und „Spätaussiedler“, „Asylbewerber“, 
„eingebürgerte Personen“, aber auch den Fall zeitweiliger grenzüberschreiten¬ 
der Migrationen - nach und aus Polen. Es kommen noch „Vertriebene“, 
„heimatlose Ausländer“ und „Flüchtlinge“ aus den Nachkriegsjahren hinzu. 
Nach den Schätzungen polnischer Historiker (Kerstenowa 1985, 17-18) haben 
sich während des zweiten Weltkrieges 2,5 Mio. Polen auf deutschem Gebiet be¬ 
funden. 
Nach deutschen statistischen Jahrbüchern waren Polen in Übergangslagem und 
Heimen für Ausländer die größte Nationalgruppe - vor Bürgern der UdSSR 
und vor den Letten (nach dem Stand vom 1.10.1951: 17378 Personen, ein Jahr 
später 17945.2 Das sind schon Zeichen einer Beruhigung dieser Menschenwelle, 
die teilweise weiter in die Westländer, teilweise zurück in die Heimat strömte: 
Die deutschen Statistiken berücksichtigen nicht die Periode direkt nach dem 
Zweiten Weltkrieg. Wie Kerstenowa (1985:10) angibt, sind in den Jahren 
1945-1950 1642,5 tausend Polen aus Deutschland in die Heimat zurückge¬ 
kehrt). 
Die Angaben zu Aussiedlem aus Polen für Jahre 1968 - 1991 sehen folgender¬ 
maßen aus: 
2 Quelle: Statistisches Jahrbuch 1952,1953. 
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