Full text: Zwischen Saar und Mosel

Geschichte des politischen und administrativen Provinzialgefüges vorausgehen 
muß, versteht sich fast von selbst. 
Vom ständischen Landtag zum kommunalen Provinzialverband 
Für die von Preußen ohne große Sympathie neuhinzugewonnene Rheinprovinz15, 
die sich in ökonomischer, politisch-rechtlicher und in konfessioneller Hinsicht so 
verschieden vom Mutterland zeigte, sollte die Integration in den preußischen 
Staatsverband mittels einer „Repräsentation des Volkes“ regionalen Zuschnitts 
gefördert werden16. Der aus dieser Idealvorstellung geborene und erstmals 1826 
tagende Ständische Landtag17 war zunächst alles andere als ein die gesamte 
Bevölkerung der Rheinlande vertretendes Parlament mit weitreichenden politischen 
Rechten. Vielmehr wurden ihm in der Frühzeit enge Grenzen dadurch gesetzt, daß 
seine Beschlüsse, sollten sie wirksam werden, der Genehmigung des preußischen 
Königs bedurften, daß ferner die anfangs nicht einmal Öffentlichen Debatten erst 
1862 völlig unzensiert bekannt gemacht werden konnten, und vor allem, daß durch 
die ständische Landtagsverfassung besonders die notable Bevölkerung der Provinz 
vertreten und begünstigt war, keineswegs jedoch die breiteren und ärmeren 
Bevölkerungsschichten. Daß er sich wiederum anders als vorgesehen, nicht mit 
Selbsverwaltungsangelegenheiten der Provinz befaßte, ist sowohl auf seine schwa¬ 
chen politischen Rechte, die mit einer gewissen staatlichen Dominanz in den 
ausführenden Verwaltungsorganen des Landtags korrespondierten, zurückzuführen, 
als auch auf das Fehlen eines gesamtpreußischen Landtags. So erstaunt es nicht, 
daß in Düsseldorf, dem Tagungsort des Landtags, bis nach 1848 die allgemeinen 
politischen Fragen und drängenden Probleme der Zeit verhandelt wurden und zu 
mitunter weitreichenden Beschlüssen und Adressen führten. 
In den 1870er Jahren erreichte der Landtag endlich die durch staatliche Dotationen 
und kommunale Umlagen finanzierte Verwaltung all jener Einrichtungen, deren 
Unterhalt bei der Rheinprovinz lag. Es handelte sich maßgeblich um Aufgabenfel¬ 
der aus den Hauptbereichen des Fürsorgewesens, der Straßenunterhaltung sowie der 
Landeskultur, zu denen später auch besondere kulturelle Aufgaben wie die der 
15 Zur Geschichte der Rheinprovinz vgl.: K.- G. Faber, Die südlichen Rheinlande von 1816-1956, in: 
Franz Petri und Georg Droege (Hgg.), Rheinische Geschichte 2 (Neuzeit), Düsseldorf3 1980, 
S. 367-474; H. Lademacher., Die nördlichen Rheinlande 1815-1952, in: ebd., S. 475-866; Die 
Rheinlande und Preussen. Parlamentarismus, Parteien und Wirtschaft. Ergebnisse eines Bonner 
Symposions (26./27. April 1990) (Rheinprovinz 5), Köln 1990; B. DORFEY (wie Anm. 10). Zur 
Verwaltungsgeschichte s. u. a. M. BÄR, Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815, Bonn 
1919 (Nachdruck 1965); H. Romeyk (wie Anm. 3) sowie R. SCHÜTZ (wie Anm. 3). 
16 Dies u. das folgende nach J. HORION (Hg.), Die Rheinische Provinzial-Verwaltung. Ihre Entwicklung 
und ihr heutiger Stand, Düsseldorf 1925, H. Lademacher, Von den Povinzialständen zum 
Landschaftsverband. Zur Geschichte der landschaftlichen Selbstverwaltung der Rheinlande, Köln 
1973 u. H. Romeyk (wie Anm. 3). 
17 Gustav CROON, Der rheinische Provinziallandtag bis zum Jahre 1874, Düsseldorf 1918; Kurt 
Schmitz, Der Rheinische Provinziallandtag 1875-1933 (Bergische Forschungen VI), Neustadt/Aisch 
1967. 
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