Full text: Zwischen Saar und Mosel

schon als gelöst gelten können - auf die hereditas Fulrads zurückschließen dürfen 
(vgl. Karte l)155. In Frage kommen neben den oben als Verluste von Salonnes 
gebuchten Gütern im Seille- und Charpeignegau im pagus Salinensis noch neben 
Salonnes selbst +Courcelles, +Gossoncourt, +Bride, Aboncourt-sur-Seille, Malau- 
court bei Delme (woher dort der mercatusl) und +Geracourt bei Gremecey; im 
Chaumontois Loro mit seinen appenditia , Essey-les Nancy mit Malzeville, Romain 
nordöstlich Bayon; im Charpeignegau das von Verdun er- und wieder vertauschte 
Basigunde curtis, ferner Jezainville bei Pont-ä-Mousson, Güter in Watcurte am 
Fluß Alsontia, in Doncourt-les-Conflans und in den wohl nahegelegenen Gemar¬ 
kungen finis Inguriaca und finis Frucelinsae, die im 9. Jh. vertauscht wurden, 
schließlich Montenoy und Pompey nördlich Nancy; in Blies- und Rosselgau 
Thedingen oder Teting, Hunkirch / Honskirch und Farschwiller, das seinen Namen 
von Abt Fardulf von St. Denis (792-806) trägt, der dort - vielleicht im Ausbau vom 
nördlich anschließenden Thedingen her - einen Rodungsort anlegte156. Es ist 
jedenfalls bezeichnend, daß sich Altbesitz von St. Denis und Salonnes nur im 
Rahmen der schon im Fulrad-Testament genannten Gaue rekonstruieren läßt. 
Und noch ein Argument für die Herkunft zumindest des ostlothringischen Besitzes 
aus der Frühzeit von St. Denis läßt sich anführen: Wer die Liste der 1222/25 für St. 
Denis reklamierten Orte namenkundlich und sprachhistorisch betrachtet, wird 
feststellen, daß einige der aufgeführten Namen altertümliche Züge aufweisen: 
Fehingas ist in der gleichen archaischen Form der ingen-Namen auf -as aufgeführt, 
wie sie das Fulrad-Testament kennt; Tatingum erscheint in der richtigen Form des 
althochdeutschen Dat. Plural und noch ohne Umlaut, wie er ab dem 9. Jahrhundert 
durchgesetzt war; Pretene, wohl aus einem Gewässernamen *Bredina > Bride 
(heutiger Gewässername), a. 1266 Brede, a. 1457 Breden abzuleiten157, zeigt eine 
Form, die etwa für das 9. Jh. noch zu erwarten ist; der im 9. Jahrhundert zu 
erwartenden Nebensilbenabschwächung entspricht auch die Form Blite[r]sdorp < 
*Blitheres-, für die zusätzlich die fehlende [p]-Verschiebung bemerkenswert ist. 
Auch Viler, Fardulviler (mit romanischem Ausfall des [f] nach Liquid) < 
*Fardulfovillare, Torneswile < *Tomeswila zum Personennamen Turnus, Sulces 
< *Sulzas „die Salzwasser“ und Hoenchirche < *bi dera hohun kirihha (mit 
155 Diesen Rekonstruktionsansatz empfehlen auch FLECKENSTEIN (wie Anm. 7), S. 17f.; PARISSE (wie 
Anm. 7), S. 238f. 
156 Sicherlich müssen auch die zum Priorat Insming (vgl. Anm. 85), zum Priorat Zell (Anm. 142) und 
zur Mörsberger Erbschaft gehörigen Orte wie Insming, Zell, Hilsprich, Conthil, Petit Tenquin / 
Kleintänchen, Vannecourt, Sotzeling, Xouaxange und die Herrschaft Mörsberg (vgl. Anm. ) in den 
Kreis der Betrachtungen einbezogen werden, obwohl hier auch andere Quellen des Besitzes 
mitwirken werden. Vgl. JUNGK, Beiträge (wie Anm. 20), S. 15ff.; Hiegel (wie Anm. 20), S. 67ff.; 
HERRMANN (wie Anm. 20), S. 291. Zum Zweibrücker, über die Erbteilung im Hause Saarbrücken 
erworbenen Besitz der Burg und Herrschaft Mörsberg vgl. PÖHLMANN / Doll (wie Anm. 18) Nr. 
98. 129. 140. 170. 195. 329. 332. 335. 336. 337. 338. 341. 380. 381. 382. 383. 439. Gelegentlich 
erscheinen hier auch Rechte von Mitbesitzern, die aus dem weiteren Erbe der Saarbrücker 
Filiationen stammen. Auch Lindre / Linder bei Tarquimpol mit Saline könnte zu diesem Besitzkom¬ 
plex gehören (ebd., Nr. 158. 170. 195. 256. 257. 279. 380. 381. 439.), nach Ch. hiegel (wie Anm. 
28) entstammt der Zweibrücker Besitz am Ort jedoch dem Gut der lothringischen Herzoge. 
157 Zu vergleichen sind u.a. die Gewässernamen La Brenne (zur Loire) < *Bredanna; Brettenbach, a. 
1336 die Brettene < *Bredana: A. Greule, Vor- und frühgermanische Flußnamen am Oberrhein, 
Heidelberg 1973, S. 185ff. 
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