Full text: Zwischen Saar und Mosel (24)

Ereignisse zu beurteilen. „Ich war Prediger und kein Politiker“ hat er später 
bekannt; „ich war meinem Vaterland und seinem heiligen Recht innig ergeben, aber 
zugleich umfaßte ich mit dem loyalsten Herzen meinen König-Herzog und 
vermochte es nicht, mir zu denken, daß er wider uns und wir wider ihn sein 
könnten13.“ 
Die Pfarre Nottmark lag in dem Bezirk, wo der Herzog von Augustenburg das 
Praesentationsrecht und das Patronat hatte. Obwohl P. auf Alsen aufgewachsen 
war, hatte er den Herzog vorher niemals gesprochen, er war dem Herzog kaum 
bekannt. Aber er hatte sich bald die Achtung seines Patrons erworben, und mit 
Liebe und Geduld vermochte P. auch in der stark dänisch gesinnten Gemeinde 
Zugang zu mancher Seele zu erlangen. 
Da brach 1848 die dänische Revolution aus, durch die die absolute Monarchie in 
eine konstitutionelle umgewandelt und das bisherige staatsrechtliche Verhältnis 
Dänemarks zu den Herzogtümern Schleswig und Holstein, die nur durch Personal¬ 
union mit Dänemark verbunden waren, wesentlich berührt wurde. Das nächste Ziel 
der sogen. Eiderdänischen Partei, welche die Revolution trug, war es, die 
Herzogtümer in ihrer engeren Verbindung zueinander zu trennen und das nicht zum 
Deutschen Bund gehörige Schleswig in Dänemark zu inkorporieren. Es kam hinzu, 
daß das königliche Haus Dänemark (Oldenburg-Schleswig-Holstein) vor dem 
Aussterben im Mannesstamme stand, in Dänemark nach der Lex Regia von 1665 
auch die weibliche Deszendens erbte, dagegen in den Herzogtümern Schleswig und 
Holstein nur der Mannesstamm und damit die Linie Schleswig-Holstein-Sonder- 
burg-Augustenburg auf die Erbfolge Anspruch hatte. Das hätte die Auflösung des 
sogen, dänischen Gesamtstaates bedeutet14. 
Die gesamte schleswigsche Geistlichkeit, soweit sie nicht, wie z. B. auf Alsen 
dänisch gesinnt war, ja z. T. aus von Dänemark zugewanderten Personen bestand, 
geriet, wie auch P„ in einen schweren Gewissenskonflikt, wenn sie sich zum 
Handlanger der Eiderdänischen Partei machen lassen wollte, die so leicht in 
Kopenhagen den Sieg davongetragen und alle Regierungsämter besetzt hatte. 
Besonders die Lage P.’s wurde alsbald bedenklich. Vor dem politischen Fanatismus 
mußte der Herzog von Augustenburg fliehen. Alle, die ihm persönlich nahe 
gestanden hatten, so auch P„ wurden verdächtigt, da man den Herzog für das Haupt 
einer Verschwörung gegen den Gesamtstaat ausgab, was er in Wahrheit nicht war. 
Aber er war nach seiner Bildung und Gesinnung ein deutscher Fürst, und das 
genügte, ihn als „deutschen Verräter“ zu verteufeln, obwohl er nur sein verfas¬ 
sungsmäßiges Erbrecht in den Herzogtümern verteidigt hatte15. 
13 Petersen, (wie Anm. 4) 160. 
14 Näheres dazu: O. BRANDT - W. Klüver, Geschichte Schleswig-Holsteins, 7. Aufl. Kiel 1976, 
215-258; A. SCHARFE, Schleswig-Holstein und die Auflösung des dänischen Gesamtstaates 
1830-1864/67, in: Geschichte Schleswig-Holsteins 7. Bd. 1. u. 2. Lf., Neumünster 1980, noch 
unvollendet. 
15 Petersen, (wie Anm. 4) 110-121 hat dem Herzog ein sympathisches Denkmal gesetzt. Der spätere 
Biograph des Herzogs, J. H. Gebauer (Christian August, Herzog von Schleswig-Holstein. Ein 
Beitrag zur Geschichte der Befreiung Schleswig-Holsteins, Stuttgart - Leipzig 1910) hat P. Seite 241 
Anm. 3 ausdrücklich in einer zweifelhaften Detailfrage als „eine sonst zuverlässige Quelle“ 
bezeichnet, als er sich auf ihn berief. 
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