Full text: Zwischen Saar und Mosel

A 
B 
Ego Fulradus, haesi indignus sacerdos uocatus, 
filius Riculfo et Ermengarde condam dono 
donatumque in perpetuum omnes res proprieta¬ 
tis meae, quicquid de successione parentum 
meorum mihi obuenit vel dationibus regum 
(vgl.D.KdG, Nr. 107) seu de conparato vel com¬ 
mutationis et traditionis, quantumcumque mihi 
et germano meo Gaustberto traditum fuit, et 
quicquid ipse germanus meus Gaustbertus mihi 
tradidit . . . quantumcumque in Alisacius et 
Mordenavia et Brisegauia, quicquid mihi tradi¬ 
tum fuit et datum per strumenta cartarum. 
Similiter in Saloninse et Scarponinse et Calmon- 
tinse et Blesinse et Rosalinse, quicquid in ipsos 
pagos visus sum habere ... 
Ego Fulradus, haesi indignus sacerdos, fdius 
Riculfo et Hirmingarde condam, dono donatum¬ 
que in perpetuum omnes res propiaetatis meae, 
quicquid de successione parentum meorum mihi 
obuenit, vel de dationibus regum (vgl. D.KdG, 
Nr. 107) seu de comparatum vel commutationes 
quantumcumque mihi et germano meo Gaust- 
perto traditum fuit et quicquid ipse meus Gaust- 
pertus mihi tradidit . . . 
. . .omnia et ex omnibus in Salninse et in Scar¬ 
poninse, Calmontinse et Roslinse, Alsacinse, 
Morthenavia, Alamania, quantumcumque visus 
sum habere . . . 
Das Testament lehrt (auch in den hier nicht zitierten Passagen), daß Fulrads 
Gesamtbesitz aus zahlreichen Quellen stammte, aus königlichen Schenkungen, aus 
käuflichem Erwerb, aus Tauschakten, aus Übertragungen durch Grundbesitzer und 
Grundbesitzerinnen wie Wido, Chrodhard (Ruthard), Theudericus, Haribertus, 
Ermelindis, Adalungus, Hafti112 - und nur zum Teil aus dem Erbe seiner Familie. 
Das Testament lehrt damit auch, wie viele Vorurkunden zugrunde gegangen sein 
müssen, darunter besonders die Urkunden für die einzelnen cellae Fulrads, aber 
auch die Schenkungsurkunde(n) seines Bruders Gaustbert. Der Besitz der Familie 
lag jedoch, wenn wir die genauere Formulierung der Fassung A des Testaments 
ernst nehmen, vorwiegend in den lothringischen Gauen: dem Seillegau, dem 
Charpaignegau (Charmois), dem Chaumontois, dem Bliesgau und dem Rosselgau, 
also in einer kompakten Landschaft, die sich etwa zwischem dem Warndt im 
Norden und dem Oberlauf der Meurthe im Süden, zwischen den Vogesen und der 
Haardt im Osten und der Woevre (zwischen Metz und Nancy) erstreckte113. Man 
hat die Familie hier in der Forschung längst verortet und darauf aufmerksam 
gemacht, daß sich die Namen der Brüder Fulrads, der seltene Name Bonifatius und 
der Name Gauzbert (wir kennen auch noch eine Schwester namens Waldrada), auch 
im oberen Saargau wiederfinden114, u. a. bei einem Grundherrn Bonifatius aus 
Görlingen bei Hilbesheim, wo 763 als Anlieger neben der Metzer Domkirche auch 
eine Kirche Sancta Maria genannt wird, die möglicherweise mit Salonnes zu 
112 Vgl. Fleckenstein (wie Anm. 7), S. 20ff. 
113 Es ist auffällig, daß die noch in diesem Viereck enthaltenen westlichen Gaue des Mosel- und 
Niedgaus und auch der östliche Saargau in Fulrads Verfügung über den Gesamtbesitz fehlen. 
114 Vgl. die saargauische Orte (Saarburg, Waldhambach, Sieweiler, Geblingen, +Brandelfingen, 
Gisselfingen / Gelucourt) betreffenden Urkunden mit den Zeugen Bonifatius und Gauzbert: Glöck¬ 
ner/Doll (wie Anm. 52), Nr. 192. 202. 207. 216. 217. 225. 239. Dazu s. F. Langenbeck, 
Probleme der elsässischen Geschichte in fränkischer Zeit, in: Alemannisches Jb. 1957, S. 36. 42f.; 
Fleckenstein (wie Anm. 7), S. 17f.; Parisse (wie Anm. 7), S. 236; Haubrichs (wie Anm. 89), S. 
262f.; Ders., Die Sprachgestalt der germanischen Ortsnamenüberlieferung des siebten und achten 
Jahrhunderts im Saar-Mosel-Raum, in: R. Schützeichel (Hg.), Philologie der ältesten Ortsnamen¬ 
überlieferung, Heidelberg 1992, S. 255 Nr. 2; 258 Nr. I5f. 
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