Full text: Zwischen Saar und Mosel

ren Probleme: a. 781 Or. Victerneia curte (Dorsualnotiz 9. Jh. Uictirniaca curte), a. 950 
Or. Veternegiocurte, a. 957 K. predium . . . Vitrenei curtim dictum, a. 1105 K. apud 
Verthernei curtem., a. 1165 Vitrineicort, a. 1192 Vitreneicort, a. 1288 Or. Vitregnei- 
c[or], ab dem 14. Jh. dominieren die Belege mit r-Metathese: z. B. a. 1304 Or. 
Vertigneicourt, a. 1412 Or. VerthegneicourfiK 
Die Identifizierung ist auch besitzgeschichtlich geboten: 781 ertauschte Fulrad von der 
Äbtissin Eufemia von St. Pierre-aux-Nonnains in Metz locella dua infra pago Salninse, 
super fluvium Salona, in conpendio: id sunt in Filicione curte seu in Victerneia curte, 
quantumcumque in ipsas curtis fuit racio Sancti Petri, sub integritate, et quicquid ad 
ipsa loca aspicit31 32. Die Erwerbung ist als Arrondierung von Altbesitz zu verstehen. Die 
Identität mit +Vertignecourt ist nicht zweifelhaft: die Salona, an der die locella liegen, 
ist die Petite Seille, ein Zufluß der Seille, an dessen Mündung das nach ihm benannte 
Salonnes liegt. Um eine Rückerstattung von entfremdetem Besitz33 muß es sich bei der 
auf Bitte Bischof Adalberos von Metz zustandegekommenen Schenkung von an einen 
Vasallen verliehenen Gütern in villa que dicitur Salona, super fluvium similiter Salona, 
in pago Moslensi sita, hoc est mansos . XII. cum ponte et cum ecclesia in Veternegio 
curte, in honore sanctae Mariae dicata cum Omnibus eisdem mansis juste et legaliter 
pertinentibus durch den westfränkischen König Ludwig IV. im Jahre 950 handeln34. 
Die Kirche trägt das Pertinenzpatrozinium B.M.V. von Salonnes35. Im Jahre 1105 
befindet sich apud Verthernei curtem die aecclesia cum decimis im Besitz der Abtei St. 
Mihiel an der Maas, die sie von den Grafen von Bar als Besitznachfolgern der 
Kapetinger ebenso wie das gesamte monasterium sancti Dyonisii et sancti Privati in 
abbatiola quae vocatur Salona erhalten hatte36. 1228 inkorporiert Johannes, Bischof 
von Metz, die Kirche von Vitrigneicort, zugleich die Mutterkirche von Puttigny, unter 
Ablösung der Rechte von St. Mihiel, dem Priorat Salonnes37. 
31 Vgl. weitere Belege bei Hiegel (wie Anm. 17), S. 352; H. Lepage, Dictionnaire topographique du 
département de la Meurthe, Paris 1862, S. 151. 
32 D. KdG, Nr. 136; ChLA XVI, Nr. 628. 
33 Der comes im Chaumontois Raginbald, Sohn des Raginbald und der Heriburgis, hat 957 Besitz in V., 
den er an Gorze schenkt. Schon 922 hatte Hildemannus im benachbarten Gerbécourt einen mansus an 
Gorze geschenkt, der von zwei Seiten von den Gütern von St. Denis, an einer Seite von der via 
publica und an der vierten Seite vom Besitz der Heriburgis begrenzt wurde. Vgl. zu diesem Grafen 
Raginbald II., dessen Vater noch Graf im Seillegau war und der Königsgut der Region an sich brachte, 
A. D’Herbomez (Hg.), Cartulaire de l’abbaye de Gorze, Paris 1898, Nr. 106. 91. 116; W. 
HAUBRICHS, Gelenkte Siedlung des frühen Mittelalters im Seillegau. Zwei Urkunden des Metzer 
Klosters St. Arnulf und die lothringische Toponymie, in: ZsGeschSaarg 30 (1982), S. 14f. Anm. 32. 
An den Besitz in Vertignécourt grenzte wohl Graf Raginbalds potestas Bruoch, die aus Fiskalbesitz 
stammte und 984 in einer Gorzer Urkunde (Nr. 116) aufscheint. Mit Reichsland (wie Anm. 18), S. 
135, 393 ist sie mit +Bruch, Gde. Hampont (Moselle, Ct. Château-Salins) zu identifizieren. 
Unmittelbar angrenzend besaß Gorze Güter in Lubécourt, Morville bei Vic, Puttigny und Vaxy, dazu 
die alte ecclesia matrix Domèvre, deren Patrozinium des hl. Aper auf Zusammenhänge mit Toul 
weist. Vgl. HERBOMEZ, Nr. 192; Reichsland (wie Anm. 18), S. 1140f. Zu einem nördlich 
anschließenden Fiskus um Destry, Beilange, Achain, Bréhain, Dalhain, der sich im 10. Jh. z.T. in 
Adelsbesitz befand, vgl. Haubrichs (wie oben), S. lOff. 
34 PH. LAUER (Hg.), Recueil des actes de Louis IV d'Outremer, Nr. 34. Vgl. u. S. 22 mit Nr. 16. 
35 Sie ist später die Kirche von Puttigny, liegt aber noch heute weit außerhalb des Ortes, bei der 
Wüstung V. Vgl. Lepage (wie Anm. 18), II, S. 397; Dorvaux (wie Anm. 22), S. 16, 419; Reichsland 
(wie Anm. 18) S. 353. 
36 A. Lesort, Chronique et chartes de l’abbaye de St, Mihiel, Paris 1909/12, Nr. 60. Zur Besitzge¬ 
schichte vgl. auch M. Du preil (Hg.), Die alten Territorien des Bezirkes Lothringen nach dem Stande 
vom 1. Januar 1648, Theil II, Straßburg 1909, S. 590. 
37 Dorvaux (wie Anm. 32), S. 419 Anm. 3. 
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