Volltext: Zwischen Saar und Mosel

niemals vollendet, so daß Beschriftung und skulpturaler Schmuck ausblieben. Es 
könnte aber auch sein, daß die Witwe des Grafen Albrecht, die Gräfin Anna von 
Nassau-Dillenburg, die 1610 starb, Einfluß auf die Gestaltung des Grabmals ihres 
Mannes genommen hat. Ihr eigenes Grabmal, das in der Kirche von Weilburg lag - 
die „Genealogia“ bezeichnet es als Stein, also als Grabplatte -, besaß ein offenbar 
eingetieftes Feld mit der Inschrift und auf dem profilierten Rahmen ein fortlaufen¬ 
des Band aus Rollwerk. Das Ganze ist sehr schlicht gehalten. Mag sein, daß in 
ähnlicher Weise auch das Hochgrab ihres Gatten in Ottweiler mit Inschrift und 
Schmuckband ausgestattet werden sollte, was beides aber nicht ausgeführt wurde, 
aus welchen Gründen auch immer. 
In der „Genealogia“ ist die Zeichnung des Grabmals des Grafen Albrecht 
folgendermaßen überschrieben: Dieses ist von Stein ein erhoben Grab zu Neuw- 
münster bey Ott[weiler]. Und liegt darunder begraben Albrecht, Gr[af\ zu 
[Nassau]-Sarb[rücken]-Sarwerd[en\, H[er]r zu Lahr, welcher war ein Sohn Gr\af\ 
Philipsen und Fr[au] Anna, Gr[äfin] zu Manßfelt; hat zuer Gemahlin Fr[au\ 
Annam, Gr[äfin] zu Nass[au)-Dillenberg; er starb A[nn]o 1593. Auch Johann 
Georg Hagelgans, Archivar in nassauischen Diensten im 18. Jh., berichtet, das 
Grabmal Albrechts sei ohne Figuren und Inschriften geblieben4. 
Das Tischgrabmal 
Kunstgeschichtlich wesentlich bedeutender als die wirklich ausgeführte, im ganzen 
recht bescheidene Tumba ist der Entwurf (Abb. 2) für ein nicht zustandegekomme¬ 
nes opulentes Grabdenkmal des Grafen Albrecht5, wahrscheinlich auf Veranlassung 
des Kanzlers der Herrschaft Ottweiler, Dr. Matthias von Hirschbach6. Dieser 
Entwurf legt ebenfalls Zeugnis ab von dem hohen Ansehen, das der Graf in den 
evangelischen Adelskreisen seinerzeit genoß. Wäre er ausgeführt worden und ein 
solches Denkmal erhalten geblieben, dann besäßen wir eines der großartigsten 
Grabmäler aus der gesamten Reihe der nassauischen überhaupt. 
Das rechteckige Hochgrab erhebt sich auf einer Sockelplatte, darüber ein Wulst und 
ein rückgezogener Karnies, auf den die an den Grabmalecken kauernden vier 
grimmigen Löwen ihre Pranken legen. An den Lang- und an den Schmalseiten 
stehen in der jeweiligen Mitte Balustersäulen mit profilierten Basen und mit 
jonischen Kapitellen, wie auch die Löwen auf ihren Köpfen solche Kapitelle 
besitzen. Sie alle zusammen, Löwen und Baluster, tragen, zumindest optisch, den 
oberen gewaltigen Teil des Hochgrabmals. Diese obere Partie des Grabmals 
übertrifft an Gewicht und Monumentalität die untere bei weitem. Da folgen 
übereinander, antikem Vorbild in etwa entsprechend, ein dreiteiliger Architrav auf 
4 Genealogia S. 223. 
5 Genealogia S. 223 und 225, Abb. 104. Dieser Entwurf findet sich bei Johannes Andreae, Registrator 
und Archivar in nassauischen Diensten (Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 1002/4, S. 234 B). Andreae 
bemerkt, daß der Entwurf nicht ausgeführt wurde (Genealogia S. 35 f., Anm. 75). 
6 Als Kanzler von Ottweiler ist v. Hirschbach am 12.8.1624 erwähnt, als bereits verstorben am 11.11. 
(LA Sbr. 22, 6647) und am 12.11.1631 (LA Sbr. 22, 2405, Bl. 208), so daß sein Tod im Zeitraum 
1624-1631 liegen muß. Diese Angaben verdankt Verf. Frau Waltraud Schuh in Wadern, vermittelt 
durch Dr. W. Läufer. 
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