Full text: Zwischen Saar und Mosel

festzustellenden Mängel21. Abweichungen bei der Schreibweise von Orts- und 
Waldbezeichnungen fallen dabei nicht so sehr ins Gewicht wie das völlige Fehlen 
der Straßenzeichnung bei Sgrooten, obwohl sonst bei diesem die Straßen gründlich 
wiedergegeben werden und bei den erhaltenen Ämterkarten von Arnold Mercator 
die Straßen nicht fehlen. Ein geradezu auffälliger Mangel aber, der wohl auch zu 
dem abfälligen Urteil der Prüfungskommission geführt hat, ist die völlig unter¬ 
schiedliche Zeichnung des Einzugsgebiets der Saar mit ihren nördlichen Nebenflüs¬ 
sen. Erst in der überarbeiteten Fassung des Atlas von 1592 sind die Mängel 
behoben. Hierfür stand dann aber der Atlas von Gerhard Mercator mit seinen ersten 
Teillieferungen (1585) zur Verfügung. 
Neben den im Auftrag der spanischen Herrschaft entstandenen Kartenwerken von 
Sgrooten und Deventer legte Viglius im Verlauf von vierzig Jahren seine eigene 
Kartensammlung an. Über ihren Inhalt unterrichtet ein von ihm selbst 1575 
angelegtes Verzeichnis22. Die Titelangaben sind leider nur sehr knapp gehalten, 
wohl auch nicht immer wörtlich genau. Datum und Namen des Herstellers sind 
nicht gleichmäßig angegeben, ebenso ist nicht immer erkennbar, ob es sich um eine 
handschriftliche oder um eine gedruckte Karte handelt. Trotz dieser Mängel behält 
das Verzeichnis seinen Wert. Der chartarum catalogus von Viglius gilt nach wie 
vor als der früheste und bedeutendste Katalog einer kartographischen Privatsamm¬ 
lung des 16. Jahrhunderts. Die Sammlung enthielt demnach etwa 200 Karten, wozu 
noch einige Dubletten kamen. Soweit Angaben über Ort und Zeit der Anfertigung 
bzw. des Drucks gemacht werden, ist die oben erwähnte Ungarnkarte des Peter 
Apian (1528) das älteste datierte Stück, ein Plan der Belagerung von Leiden (1574) 
das jüngste. Unter den Druckorten steht Antwerpen verständlicher Weise an erster 
Stelle, aber auch Paris und Venedig sind mehrfach vertreten. Bei der Datierung der 
Karten fällt die Häufung in dem Jahrzehnt 1541-1550 und dann wiederum 1561-70 
auf. Dem Inhalt nach steht Mitteleuropa im Vordergrund. Zwar sind fünf Weltkar¬ 
ten und zwei Karten des Pazifischen Ozeans vorhanden, von Erdteilkarten aber nur 
je eine von Europa und Asien. Regionale Schwerpunkte waren Frankreich, 
besonders die östlichen Landschaften, die Niederlande, Westfalen und der deutsche 
Südwesten. Italien war wesentlich stärker vertreten als Spanien. Ein beträchtlicher 
Teil der Sammlung bestand aus Manuskriptkarten. Bei diesen wie bei einigen 
gedruckten Karten ist zu vermuten, daß sie von den Autoren oder Verlegern selbst 
Viglius verehrt wurden. 
Eine Gruppe von Karten kleinerer Gebiete fällt auf. Es waren vermutlich topogra¬ 
phische Karten größeren Maßstabs, die im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten 
und mit den richterlichen Funktionen von Viglius entstanden sind. Soweit die Titel 
regionale und selbst lokale Bezüge erkennen lassen, liegt die Vermutung nahe, daß 
Viglius seiner Sammlung auch Karten administrativer bzw. forensischer Herkunft 
einverleiben konnte. 
21 A. Lang (wie Anm. 17, Textheft) hat für die Karte XX des Brüsseler Atlas eine Verwandschaft mit 
Arnold Mercators Karte vom Oberen Erzstift Trier festgestellt. Für die der Übersichtskarte zugrunde 
liegenden Ämterkarten kann das nicht bestätigt werden. Am auffälligsten ist der Unterschied zu den 
Sgrootenschen Übersichtskarten (Bl. XXXI und XXXII) in dem Brüsseler Atlas (Reproduktion in der 
Kartenmappe zu Mortensen Lang, Bl. 6, 19 u 31). 
22 L. Bagrow (wie Anm. 13), S. 18-20. 
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