Full text: Zwischen Saar und Mosel

3. Die Fragmente einer Anbetung der Heiligen Drei Könige aus dem Metzer 
Zisterzienserinnen-Priorat „Petit-Clairvaux“. 
Es gab in Metz eine Niederlassung der „Frères de la Pénitence du Christ“, deren 
Orden gegen Ende des 13. Jahrhunderts aufgelöst wurde. 1289 überantwortete man 
den Komplex den Zisterziensern. Diese erhielten 1304 vom Metzer Bischof 
Renauld de Bar die Erlaubnis, ihrer Bitte entsprechend in diesem Quartier 
Zisterzienserinnen anzusiedeln. Ihr Priorat erhielt ansehnliche Stiftungen seitens 
der Metzer Patrizier, von denen auch viele Töchter im Laufe der Zeit dem Kloster 
beitraten. Das Priorat bestand über dreihundert Jahre und wurde im 17. Jahrhundert 
zu einer adeligen Damen-Abtei erhoben. 1756 erfolgte die Vereinigung mit dem 
Hospital St-Nicolas, was einer neuen Aufgabenstellung, aber auch der Auflösung 
der Abtei gleichkam. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verfiel daher der alte 
Gebäudekomplex des Klosters, nur wenige Reste, ein Arkadenzug, ein Spitzbogen¬ 
portal und die Ruine der dachlosen Kapelle blieben noch einige Zeit stehen. 
Nachdem Teile des Areals schon im späten 19. Jahrhundert für eine Konservenfa¬ 
brik neubebaut wurden, beseitigte man bald nach 1945 die letzten Spuren der Abtei 
bei Fundamentierungsarbeiten für weitere Wirtschaftsgebäude und eine Tiefgarage. 
Dabei fand man 1948 die Fragmente von Skulpturen. Sie wurden dem Musée de la 
Ville de Metz übergeben und da kein Spezialist für mittelalterliche Plastik am Ort 
war, legte man Photographien einer Anfrage an die Skulpturensammlung des 
Louvre in Paris bei. Am 15. 7. 1954 antwortete der damalige Abteilungsdirektor 
Pierre Pradel, daß es sich um die Reste einer Gruppe der Anbetung der Heiligen 
Drei Könige („die im Mittelalter relativ selten dargestellt würden“, - was für 
Deutschland nicht zutrifft, d.Vf.) und daß es sich um Stücke sehr guter Qualität 
handele. Er hoffe, daß man noch weitere Teile fände, vor allem vom dritten König, 
nachdem die Köpfe von zweien ausgegraben worden seien. Tatsächlich kamen noch 
kleinere Stücke zum Vorschein, die 1955 alle im Metzer Museum versammelt 
wurden. Ein Bericht über den Fund erschien aus der Feder von André Bellard im 
örtlichen Geschichtsorgan10. Bei einer ersten Ausstellung des Hauptfragments 1962 
in Trier11 wurde es nur als aus dem 14. Jahrhundert und aus der Metzer Region 
stammend bezeichnet. Bei der Ausstellung in Köln 1978 („Die Parier und der 
Schöne Stil“) haben die Verfasser des betreffenden Katalogabschnitts12 eine 
Zuordnung zur Parler-Strömung in Lothringen ausgesprochen. Im Metzer Museum 
wird das Material der Skulpturenfragmente als heimischer Jaumont-Kalkstein 
(unter der Inventar-Nr. 1648) definiert. 
Die vier Fragmente beinhalten 1. die Halbfigur eines bärtigen älteren Königs (Abb. 
11-12), 2. den Kopf eines jugendlichen Königs (Abb. 13), 3. einen halbgeöffneten 
Pokal mit Goldstücken, dessen Deckel von einer rechten Hand zum Öffnen umfaßt 
10 Der Brief ist in Auszügen veröffentlicht im Aufsatz von André BELLARD: Adieu au Petit-Clairvaux, 
um 1957, Archiv des Musée de la Ville de Metz (Fotokopie). 
11 Katalog des Städtischen Museums Trier: Le Musée municipal de Metz. (Leihgaben aus Metz, Musée 
de la Ville), Trier 1962, Nr. 244 u. Nr. 345. 
12 Ausst.-Kat. Die Parier und der Schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern. 
Handbuch zur Ausst. des Schnütgen-Museums in der Kunsthalle Köln. Köln 1978, S. 271-276, 
Kapitel Lothringen, verf. v. Helga u. J. A. Schmoll gen. Eisenwerth. 
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