Full text: Zwischen Saar und Mosel

auch Kämpfer“ sei er gewesen20. Es paßt zu diesem Bild, daß Johann schon früh ein 
Reitersiegel führte21, dessen kriegerischer Ausdruck auf dem späteren großen 
Siegel noch gesteigert wurde: ein (heraldisch) nach links sprengender Reiter, der in 
seiner Rechten das Schwert schwingt und mit der Linken den Wappenschild hält 
mit dem doppelschwänzigen böhmischen Löwen und dem gekrönten Löwen für 
Luxemburg22 (Abb.2). Ein Reiterporträt im Codex Gelnhausensis23 schließlich 
(Abb.3) bietet noch bessere Anschauungsmöglichkeiten dafür, wie Johann seinen 
Heldentod sich selbst vorgestellt haben mag, welchen archaischen Verhaltensmu¬ 
stern er folgte. 
Schlachtentod und Reiterkönig sind gewiß Bestandteile eines Herrscherbildes, das 
im 14. Jahrhundert seltener realisiert wurde, dafür aber legendär überhöht werden 
konnte. In seinem Kern knüpfte es jedenfalls an den frühmittelalterlichen Typ des 
Heerkönigtums an, das auch auf mindere Formen des Herrschertums ausgestrahlt 
hatte. Vielleicht stand dem Luxemburger Johann an jenem 26. August 1346 auch 
sehr deutlich vor Augen, wie sein eigener Großvater, Graf Heinrich VI. von 
Luxemburg, in der Schlacht von Worringen am 5. Juni 1288 den Tod gefunden 
hatte. In der Reimchronik des Deutschordensritters Jan van Heelu, der für den auf 
der Siegerseite befindlichen Herzog von Brabant schrieb, wird geschildert, daß 
Heinrich im Kampfe vom Pferd geworfen wurde, zu Fuß weiterfocht und 
schließlich sogar ohne Waffen den Herzog von Brabant regelrecht niederzuringen 
suchte, ehe er tückisch von hinten durchbohrt wurde: Ein Luxemburger kämpft, 
gibt aber nicht auf24! 
* 
Mit dem Bild Johanns des Blinden und der miteinander verketteten Pferde seiner 
Getreuesten läßt sich eine gewisse historische Parallele verknüpfen. In den 
zwischen 1156 und 1180 verfaßten Pegauer Annalen ist ein Textteil aus der 
verlorenen Vita Wigperti enthalten, die ihrerseits vermutlich bald nach 1124 im 
Kloster Pegau entstand25. Darin wird von Wolf, dem Großvater des Wiprecht von 
Groitzsch, berichtet, er habe zeitlebens an der Spitze seiner Truppe gefochten, sei 
dadurch zum Garanten des Erfolgs und zum Heilsträger (indicium felicitatis) 
geworden, auf den man nie und nirgends verzichten wollte, selbst wenn er seine 
gewohnte Tapferkeit nicht mehr in kriegerische Handlung umsetzen konnte. „Als er 
20 Ivan HlaväCek, Johann der Blinde, König von Böhmen und Graf von Luxemburg, in: Balduin von 
Luxemburg. Erzbischof von Trier - Kurfürst des Reiches 1285-1354. Festschrift aus Anlaß des 700. 
Geburtsjahres (Mainz 1985), S. 159. 
21 Ebd., S. 171: Jugendsiegel vor der böhmischen Königswürde, sog. Falkenjägersiegel. 
22 Abbildung und Beschreibung in: Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier, Kurfürst des 
Reiches, 1285-1354 (Katalog zur Landesausstellung in Trier), 1985, S. 28f. (A. 25) - das 
Falkenjägersiegel ebd., S. 26. 
23 Abbildung bei Emanuel VLÖEK, Jan Lucembursky, Prag 1980, Bild 12. 
24 Chronique en vers de Jean van Heelu, ou relation de la Bataille de Woeringen (bzw.) Rymkronyk van 
Jan van Heelu betreffende den Slag van Woeringen van het jaer 1288, ed. J.F. Willems, Brussel 
1836, v. 5463ff. (S. 204f.), v. 5515ff. (S. 206), v. 5831ff. (S. 217) und v. 58551'. (S. 218). Vgl. Trierer 
Ausstellungskatalog (wie Anm. 22), S. 20f. (A. 9). 
25 MGH Scriptores XVI, S. 235. Vgl. Wilhelm WATTENBACH/Franz Josef SCHMALE, Deutschlands 
Geschichtsquellen im Mittelalter. Vom Tode Kaiser Heinrichs V. bis zum Ende des Interregnum, Bd. 
1, Darmstadt 1976, S. 416. 
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