Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

auf den Gewerken",50 d.h. in diesem Falle auf dem Eisenwerk. Die Situation vieler 
Handwerker unterschied sich um die Jahrhundertmitte kaum mehr von der der 
Arbeiter auf dem Eisenwerk oder der Grube, vielmehr besaßen die Hauer der 
Bergwerke im Vergleich zu diesen Handwerkern größere wirtschaftliche Sicherheit, da 
sie quasi unkündbar waren. 
Die Industrialisierung bot allerdings immer neuen Handwerkern Existenzmöglichkei¬ 
ten. So finden wir 1840 den ersten Mechaniker in einer Gewerbeaufstellung51, da¬ 
neben finden wir nun, aufgrund der zunehmenden Nachfrage in Verbindung mit der 
Bevölkerungszunahme, Tapezierer, Lackierer und Barbiere.52 
Daneben bestand noch in der Lebensmittelversorgung die Möglichkeit zur Expansion: 
Die Zahl der Bäcker stieg im Zeitraum von 1822 bis 1862 von neun auf 20, die der 
Fleischer von sieben auf 16. Kaufleute gab es 1822 drei in Neunkirchen, "Krämer mit 
Kurzwaren" zehn; die "kaufmännischen Geschäfte hatten keinen sehr bedeutenden 
Umfang."53 Der Handel beschränkte sich "hauptsächlich auf die innere Consumtion, 
die eigenen Erzeugnisse und die eigenen Fabrikate."54 Die Anzahl der Märkte im 
Kreis Ottweiler war groß, wovon allerdings die meisten von geringer Bedeutung 
waren. Die Wochenmärkte im Kreis werden als schlecht besucht beschrieben, mit 
Ausnahme des Neunkircher.55 In Neunkirchen fanden daneben drei Jahrmärkte 
statt: Am dritten Dienstag im Mai, am 1. Sonntag nach Bartholomäus sowie am 2. 
Dienstag im Oktober, wovon allerdings nur der zweite von Bedeutung gewesen sein 
soll.56 
Zur Verkehrssituation ist schon die Verkehrslage Neunkirchens - zwar an einer 
Durchgangsstraße gelegen, jedoch Nachteile durch die Topographie - beschrieben 
worden, die insbesondere wegen des Fehlens einer kostengünstigen Verbindung zu 
den Absatzgebieten für die Massengüter Kohle und Eisen schlecht war und deren 
Verbesserung durch den Anschluß an das Eisenbahnnetz erst die stürmische Entwick¬ 
lung Neunkirchens während der Industrialisierung ermöglicht hat. Der Bau der 
Eisenbahnen brachte ab Mitte der 1840er Jahre für mehr und mehr Menschen 
Verdienstmöglichkeiten, insbesondere aus dem Umland. Seit 1832 führte die "Eilpost¬ 
linie Saarbrücken-Bingen" zweimal wöchentlich durch Neunkirchen; das Personenfahr¬ 
geld war jedoch mit acht Silbergroschen je Meile recht hoch.57 Die erste Briefsam¬ 
50 StA NK, AI-320, Bl. 51. 
51 Ebd., Bl. 86. 
52 Josten, Handwerk (Anm. 48), S. 340. 
53 Schlechtendal (Anm. 37), S. 129ff. 
54 Statistisch-Topographische Beschreibung des Reg.Bez. Triers, Trier 1830, S. 159. 
55 Schlechtendal (Anm. 37), S. 134. 
56 Barsch (Anm. 7), Bd. 1, S. 36. 
57 Bernhard Krajewski, in: Heimatkundliche Plaudereien, Bd. 3 (1977), S. 21. 
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