Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

wachsen, wovon wiederum eine von Couturier betrieben wurde.43 Gründe für das 
Anwachsen dieser Betriebe zur Baustoffherstellung liegen zum einen im Bedarf, der 
durch die Erweiterung der Werksanlagen des Eisenwerkes geschaffen wurde, wie auch 
in der privaten Nachfrage nach Baumaterial, die aufgrund des Bevölkerungswachs¬ 
tums zugenommen hatte.44 
Von 1837 bis 1848 bestand in Neunkirchen auch eine Flaschenglasfabrik unter der 
Leitung von Franz Couturier, die 1840 an einem Ofen mit sechs Hafen 34 Menschen 
Arbeit gab. Erst 1847 wurde mit der Kesselfabrik "Eduard Böcking" eine metallver¬ 
arbeitende Fabrik in Neunkirchen gegründet, die aufgrund der steigenden Nachfrage 
nach ihren Produkten bald expandieren sollte.45 Bierbrauereien gab es 1845 ins¬ 
gesamt fünf in Neunkirchen, deren Gründung von Verwaltung und Regierung "zur 
Errichtung guter Bierbrauereien" mit Zuschüssen gefördert wurde.46 
Die Situation im Neunkircher Handwerk war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun¬ 
derts von Anpassungskrisen geprägt. 1764 lebten in Neunkirchen - bei 1250 Ein¬ 
wohnern - 66 Handwerker.47 Den größten Anteil hatten die Leinenweber mit 14. Im 
Bauhandwerk (Maurer, Schreiner, Zimmerer) arbeiteten sechs Personen. Im Nah¬ 
rungsmittelhandwerk gab es fünf Bäcker, drei Metzger und drei Müller. Zu den 
Handwerkern wurden auch 38 Eisenschmelzer gezählt. Insgesamt waren in Neun¬ 
kirchen 24 verschiedene Handwerks- und Gewerbezweige nachgewiesen. 
Die politischen Veränderungen seit Beginn des 19. Jahrhunderts (Gewerbefreiheit) 
erlaubten jedem die Gründung von Handwerksbetrieben. Diese Möglichkeiten wurden 
auch wahrgenommen, bot doch die Landwirtschaft nur noch in eingeschränktem 
Maße genügend Subsistenzmöglichkeiten. Die zunehmende Verarmung der bäuerli¬ 
chen Bevölkerung - und die damit verbundene geringe Kaufkraft - bewirkte allerdings, 
daß ein Großteil der Handwerker nicht über das Einkommensniveau der Bauern 
hinauskam.48 
Der Steuereinnehmer beklagte anläßlich der Eintreibung der Gewerbesteuer die 
schlechte Lage der Handwerker, "die oft nur 2-3 Monate im Jahr beschäftigt wa¬ 
ren."49 So waren 1838 83 Handwerker ganz von der Gewerbesteuer befreit, bei 
vielen von ihnen findet sich der Beisatz: "arbeitet nur im Taglohn" oder "arbeitet nur 
43 Ebd., Bl. 45, 111, 143ff. 
44 Bernhard Krajewski, Kleinindustrie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Heimat¬ 
kundliche Plaudereien, 5(1981), S. 50; Schlechtendal (Anm. 37), S. 129. 
45 StA NK, AI-395, Bl. 94, 143ff; Karl Josten: Sonstige Industrie, in: Stadtbuch (Anm. 1), S. 
325-329, S. 325f.; vgl. auch den Beitrag von Hans-Walter Herrmann, Der Siegeszug der 
Dampfmaschine in der Saarindustrie, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, Jg. 
24(1981), S. 165-216, insb. S. 208ff. 
46 StA NK, AI-132, BL 73f. 
47 "Generaltabelle aus dem Oberamt Ottweiler aus dem Anfänge des Jahres 1764”, abgedruckt 
bei Schlechtendal (Anm. 37), S. 27-29. 
48 Karl Josten: Das Handwerk, in: Stadtbuch (Anm. 1), S. 339-345, S. 340. 
49 StA NK AI-44, Bl. 41 passim. 
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