Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

angehauen: der Friedrich-Wilhelm-Stollen der neu eröffneten Grube König.33 Diese 
sollte die Fettkohlenflöze erschließen, deren Kohle gut verkokbar war, und als 
Zulieferer für das unweit gelegene Eisenwerk dienen. 
Der Übergang zum Tiefbau auf der Grube König erfolgte erst mit einiger Verspätung 
1846, das waren 20 Jahre nach der Einführung dieses Abbauverfahrens auf der ersten 
preußischen Grube im Saarrevier!34 35 Bis dahin hatte die Grube König Wellesweiler 
den ersten Rang innerhalb der Neunkircher Gruben längst abgelaufen: Die Beleg¬ 
schaft von König stieg von 45 Mann (1835) über 203 Mann (1840) auf 1.130 Mann 
(1850), bei Wellesweiler waren es: 124 Mann (1835), 275 Mann (1840) und 155 Mann 
(1850).33 König war gemessen an der Fördermenge hinter der Grube Gerhard die 
zweitgrößte Grube im Saarrevier. 
Die guten Lagerverhältnisse im Bereich der Grube König sowie die Hoffnung auf 
Mehrabsatz von Steinkohle nach der Anbindung an das Eisenbahnnetz veranlaßten 
die Bergverwaltung, einen weiteren Abbaupunkt südwestlich von Neunkirchen zu 
planen. Dieser wurde 1847 als Heinitzstollen in Betrieb genommen und sollte in 
wenigen Jahren, nach der Anbindung an das Eisenbahnnetz, einen gewaltigen Auf¬ 
schwung nehmen.36 
Andere Gewerbezweige waren im Vergleich zu den bereits geschilderten Bereichen 
in Neunkirchen von geringerer Bedeutung.37 In der Gewerbestatistik von 1822 fin¬ 
den sich neben dem Eisenwerk eine Barchentfabrik, betrieben von Franz Couturier, 
ehrenamtlicher Bürgermeister, und zwei Ziegelhütten, davon eine in Elversberg bei 
Spiesen.38 Die Barchentfabrik, die Baumwollgewebe, die als Bett- und Leibwäsche 
gebraucht wurden, herstellte, beschäftigte 1824 ca. 20 Arbeiter.39 In den 1830er 
Jahren bestand diese Fabrik weiter, doch Bürgermeister Aich bemerkte bei der 
"Gewerbestatistik von 1836": "Dieser Betrieb geht schwach, weil der Eigenthümer 
< mittlerweile Couturiers Schwiegersohn Johann Krier, J.J.> es zu kostspielig findet, 
gute Waren zu fabrizieren, und seinen Arbeitern den Lohn zu sehr beschränkt."40 
1841 findet sich kein Hinweis mehr auf die Barchentfabrik.41 
Die Zahl der Ziegelhütten stieg in den 1830er Jahren auf drei, die jeweils drei bis vier 
Arbeiter beschäftigten,42 um zu Beginn der 40er Jahre auf vier Ziegelhütten anzu¬ 
33 Otto Gross, Die Kohlengruben, in: Stadtbuch (Anm. 1), S. 305-324, S. 312. 
34 Haßlacher (Anm. 24), S. 37. 
35 Gross (Anm. 33), S. 312. 
36 Frühauf, Entwicklungstendenzen (Anm. 4), S. 21. 
37 E. von Schlechtendal, Versuch einer Statistischen Darstellung des Kreises Ottweiler ( = 
Amtlicher Verwaltungsbericht für die Jahre 1859-61), Neunkirchen 1863, S. 122; Scholl (Anm. 
16), S. 151. 
38 StA NK AI-395, Bl. 12. 
39 Ebd., Bl. 22. 
40 Ebd., Bl. 84. 
41 Ebd., Bl. 143-150. 
42 Ebd., Bl. 84. 
30
	        

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