Full text: Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzraum

werk das erste Walzwerk an der Saar errichtet. Die Bearbeitung des Eisens, die 
bislang unter dem Hammer geschehen war, wurde nun von Walzen vorgenommen. 
Das bedeutete einen gleichmäßigeren Druck auf das zu bearbeitende Material und 
hatte eine Qualitätssteigerung der Produkte zur Folge. Das Neunkircher Eisenwerk 
gehörte neben vier anderen Hütten im Zollverein zum Schienenkartell, das wegen 
seiner fortgeschrittenen Produktionsmethode für die belgischen und englischen 
Exporteure der Eisenbahnschienen eine ernstzunehmende Konkurrenz im Zollvereins¬ 
gebiet darstellte. Der Antrieb der Walzen erfolgte bis 1835 noch mit Wasserkraft, 
danach mit einer kohlenbetriebenen Dampfmaschine.27 
Diese Einführung neuer Technologien (Roheisenerzeugung auf Koksbasis, Puddelver- 
fahren, Dampfkraft statt Wasserkraft) bedeutete, daß sich das Eisenwerk von seinen 
natürlichen Standortfaktoren (Holzkohle, Wasser, in geringerem Maße Erze) gelöst 
hatte. Die Produktion konnte nun frei von Behinderungen durch Wasser- oder 
Holzkohlenmangel laufen. Die nun mögliche Massenproduktion von gewalztem Eisen 
und Stahl machte die Vervielfachung der Puddelöfen zur Herstellung genügender 
Mengen von Vorprodukten nötig und ließ den eigentlichen Großbetrieb entstehen,28 
der eine Erhöhung der Arbeiterzahl zur Folge hatte, die allerdings in erster Linie auf 
eine Zunahme der ungelernten Hilfsarbeiter zurückzuführen war. 1849 waren von den 
234 Mitarbeitern des Eisenwerkes 66 Puddlingsarbeiter sowie 63 Walzer. Das Neun¬ 
kircher Eisenwerk war innerhalb weniger Jahre (1819-1835) zum Unternehmen mit 
der zweithöchsten Beschäftigtenzahl in der südlichen Rheinprovinz geworden.29 
Im untersuchten Zeitraum befanden sich im Gemeindegebiet mehrere Kohlengruben: 
Die "herrschaftliche Grube zu Wellesweiler" sowie die "herrschaftliche Grube im 
Kohlwald", die zwar nicht auf dem Neunkircher Bann lag, allerdings unmittelbar an 
diesen angrenzte.30 Im Jahre 1821 kam noch die Grube König dazu, der 1848 noch 
die Anlage Heinitz im Holzhauertal folgte.31 
Im November 1815, am Ende der französischen Herrschaft, kurz vor dem Übergang 
des Landes und der Gruben an Preußen, wurden die Gruben in Neunkirchen folgen¬ 
dermaßen beschrieben: "Die herrschaftliche Steinkohlengrube Wellesweiler [...] baut 
auf sechs verschiedenen Flözen. Sie ist mit 120 Mann belegt und fördert jährlich 
ungefähr 10.000 Fuder Kohlen. Im Kohlwald werden verschiedene Flöze abgebaut. 
Die Flöze sind in sieben Stollen aufgeschlossen und schon größtenteils abgebaut [...]. 
Die Grube ist mit 87 Mann belegt, welche jährlich 8.000 Fuder Kohlen fördern."32 
Damit war Wellesweiler nach der Belegschaftszahl die zweitgrößte Grube in den 
preußischen Saarkreisen. 1821 wurde westlich von Neunkirchen ein neuer Stollen 
27 Fünfviertel Jahrhunderte (Anm. 5), S. 21f. 
28 Hans Ehrenberg, Die Eisenhüttentechnik und der deutsche Hüttenarbeiter, Stuttgart 
1906(= Münchener Volkswirtschaftliche Studien, Bd. 80), S. 55. 
29 StA NK A-I 134, Bl. 14ff.; vgl. Fischer (Anm. 8), S. 442. 
30 Hugo-Hermann Pilger, Die Industrie des Saarlandes zwischen dem Ersten und dem Zweiten 
Pariser Frieden, in: Saarbrücker Bergmannskalender 1969, S. 71-83, S. 82. 
31 Frühauf, Entwicklungstendenzen (Anm. 4), S. 16, 21 
32 Pilger (Anm. 30), S. 81f. 
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